Kommentar zu Militärtechnik: „Technologie vergrößert die Distanz, also verstärkt sie das Töten“


Drohnen und Roboter machen den Krieg noch schlimmer, weil das Töten mit ihnen so leicht fällt, argumentiert ein ehemaliger US-Marine.

Anthony Swofford | heise online

Kurz nachdem ich 18 wurde, trainierte mich das United States Marine Corps, als einer der tödlichsten Menschen der Welt zu leben, zu denken und zu arbeiten. Es verwandelte mich von einem typischen amerikanischen Vorstadtkind durch ein perfektioniertes wissenschaftliches ­System der psychologischen Neuverkabelung, des physiologischen Umbaus und der moralischen Neucodierung in eine ideale Kampfmaschine. Es hatte mich nicht nur auf den Krieg vorbereitet, sondern auch den Durst nach jeder Art von Konflikt geweckt. Ich bekam eine Vorstellung davon, wie Perfektion auf dem Schlachtfeld aussehen, klingen und schmecken würde. Ich war ein Kampfroboter geworden.

Jede Generation von amerikanischen Kämpfern ­bekommt exzellente neue Waffen. Und wer liebt kein neues Spielzeug? Die Hersteller werden sagenhaft reich durch die Entwicklung äußerst effektiver Tötungsmaschinen mit griffigen Namen wie Mother of all Bombs, Fat Man, Hellfire, Sidewinder.

Während der Operation „Desert Shield“ kam das halb automatische Scharfschützengewehr Barrett mit Kaliber .50 in die saudi-arabische Wüste, wo ich und mein Bataillon auf den Krieg mit dem Irak warteten. Ich gehörte zu einer ausgewählten Gruppe, die daran ausgebildet wurde. Es herrschte eine feierliche, fast ­ausgelassene Stimmung. Offiziere besuchten uns, wir bekamen drei warme Mahlzeiten am Tag. Nachts diskutierten wir an riesigen Lagerfeuern über unseren ­bevorstehenden Kriegszug.

Mein Partner Johnny war ausgebildeter Scharf­schütze und, offen gestanden, besser als ich. Mit dem Barrett erreichten wir beide Ziele auf 1450 bis 1650 Meter Entfernung. Das Schießen war einfach. Das Schießen machte Spaß. Uns war eine Waffe geschenkt worden, die unsere dunkle Kunst um fast tausend Meter erweiterte. Die Genfer Konventionen verboten uns zwar, Waffen mit Kaliber .50 gegen menschliche Ziele zu verwenden.

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