Brandgefährliche Verschwörungslegenden


Antisemitismus zeigt sich oft in Mythen, wonach jüdische Strippenzieher die Welt lenken. Solche Legenden sind brandgefährlich, meinen Experten. Sie führten zu Hass und Gewalt gegen Juden.

Patrick Gensing | tagesschau.de

„Der Islam“ werde unter anderem vom Zentralrat der Juden „benutzt, um in Deutschland multikulturelle Verhältnisse herbeizuführen“. Das behauptete der AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider in einer Rede 2018, die jüngst Thema im Landtag von Sachsen-Anhalt war. Es gehe dabei gar nicht um den Islam, so Tillschneider, sondern darum, „die deutsche Kultur zu schwächen“ – und „letzten Endes die Abschaffung unseres Volkes“.

Der Zentralrat der Juden benutzt dem AfD-Politiker zufolge also den Islam, um das deutsche Volk abzuschaffen. Belege liefert Tillschneider dafür nicht. Auch auf Anfrage äußert er sich nicht, wie und warum der Zentralrat an diesen Ziele arbeiten sollte.

„Schlichtes Prinzip“

„Antisemitische Verschwörungsmythen funktionieren nach einem schlichten und dadurch besonders gefährlichen Prinzip“, sagt Samuel Salzborn von der Uni Gießen dem ARD-faktenfinder. Alles, was von Antisemiten nicht verstanden und abgelehnt wird, wird auf Jüdinnen und Juden projiziert.“ Dabei gehe es im Kern „um eine Unfähigkeit oder Unwilligkeit“, politische Prozesse, die nicht nach einem simplen, unterkomplexen Muster funktionieren, zu verstehen.

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