Hindus dürfen alten Tempel auf dem Gelände der Ayodhya-Moschee wiedererrichten


Heute gab das Oberste Gericht Indiens eine einstimmige Entscheidung bekannt, auf die sich die Politik nicht nur mit besonderen Schutzmaßnahmen für die fünf Richter, sondern auch mit 5.000 speziell dafür abgestellten Polizisten und Soldaten vorbereitet hatte. In diesem Urteil wurde nämlich über die Zukunft eines etwa 1,1 Hektar großen Sakralgeländes in Ayodhya entschieden, das 1992 indienweite Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems ausgelöst hatte, bei denen mehr als 2.000 Menschen starben.

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Damals stand auf dem Gelände die 1528 errichtete und nach dem Mogulreichbegründer Babur benannte Babri-Moschee. Darauf, dass die damaligen Eroberer den Bauplatz nicht zufällig, sondern als Symbol ausgewählt hatten, deutete der informelle Namen des Bauwerks hin: „Masjid-i-Janmasthan“ – „Moschee des Geburtsortes“. Der hinduistischen Religionslehre nach wurde in Ayodhya nämlich die siebente Vishnu-Inkarnation Rama geboren. Sie soll bis 1527 in einem für den Bau der Moschee abgerissenen Ram-Janmabhumi-Tempel besonders verehrt worden sein.

Anwalt der Moslem-Vertreter „nicht zufrieden“

Der archäologische Befund ist hier nicht ganz eindeutig, lässt aber der Ansicht der Richter nach den Schluss zu, dass es auf dem Gelände vor dem Bau der Moschee in jedem Fall ein wahrscheinlich im 10. Jahrhundert errichtetes nichtislamisches Bauwerk gab. Das dieses Gebäude ein Rama-Tempel war, ist nicht abwegig: Neue Religionen bevorzugen für ihre neuen Kultstätten regelmäßig Plätze von alten, um „zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“. Deshalb stehen katholische Kirchen von Süddeutschland bis Mexiko an Stellen, an denen früher keltischen oder aztekischen Gottheiten gehuldigt wurde – und deshalb musste im 17. Jahrhundert auch der Krishna-Geburtstempel Keshava Deo in Mathura einer Mogulmoschee weichen.

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