Satire und Religion – Die neuen Grenzen der Gotteslästerung


Die Verspottung von religiösen Glaubensinhalten soll nicht mehr unter Strafe stehen, fordern Freidenker. Sie wollen den Strafartikel 261 abschaffen. Welche Erfahrungen macht der Nebelspalter mit religiöser Satire?

Christa Miranda | SRF

Der Chefredaktor des ältesten noch existierendes Satiremagazins in der Schweiz sieht die Empfindlichkeiten heute eher bei Veganerinnen, Homöopathen und 5G-GegnerInnen.

SRF: Herr Ratschiller, kann man Witze reissen oder Karikaturen zeichnen, ohne jemandem weh zu tun oder zu diskriminieren?

Marco Ratschiller: Gute Frage. Humor basiert immer darauf, dass man sich über Dinge oder Personen lustig macht. Man kann dies aber mit einem Augenzwinkern tun, so dass Betroffene mit einem gewissen Verständnis reagieren.

Sie entschuldigen sich in einem Editorial dafür, dass mit «Leserinnen und Leser» weder alle Geschlechtsidentitäten noch Analphabeten angesprochen sind. Warum?

Anlass war die zunehmende Empörungskultur, die sich breit macht. Ich habe mich – satirisch zugespitzt – im Voraus dafür entschuldigt, dass ich schon mit der Anrede politisch unkorrekt bin.

Wer das gedruckte Satiremagazin Nebelspalter abonniert, weiss, worauf sie/er sich einlässt. Doch im Netz und in den sozialen Medien erreichen wir auch Leute, die mit unserem Satirebegriff nicht vertraut sind. Dort kann die Empörungskultur schon abgehen.

weiterlesen