Das ungeliebte Erbe des Atomstroms


Das Schicksal der Kernenergie ist in Deutschland geklärt: In nur drei Jahren werden die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet und vom Netz genommen. In vielen anderen Ländern bleibt der Atomkraft noch ein langes Leben beschert.

Andreas Mihm | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Entweder werden neue Kraftwerke projektiert und gebaut, wie in Russland, Frankreich, Finnland, China oder der Türkei, oder ihre Laufzeiten werden verlängert, wie in Amerika, der Schweiz oder in dem für seine Politik der Klimaneutralität gelobten Schweden. Eines ist allerdings allen Staaten gemeinsam: das ungeklärte Erbe der Stromerzeugung durch Kernkraft – Atommüll.

Daran erinnert ein am Montag veröffentlichter Bericht von acht Umweltgruppen unter der Führung der Heinrich-Böll-Stiftung, die den Grünen nahesteht. Alle sind bekanntermaßen so atomkritisch wie gut informiert. Der knapp 150 Seiten starke „Welt-Atomabfall-Report“ ist eine Fleißarbeit, in der der Versuch unternommen wird, zumindest europaweit einen genauen Überblick über das ungeliebte Erbe samt seiner technischen, logistischen und finanziellen Risiken zu geben.

Nicht vor der Jahrhundertwende

Dessen Ergebnisse stimmen den Leser nicht gerade zuversichtlich. Obwohl Dutzende Länder Kernenergie nutzen, gibt es weltweit kein Land, das über ein funktionsfähiges Endlager tief in der Erde verfügt. In Deutschland ist der Suchprozess gerade erst am Beginn, ernsthaft erwartet niemand, dass vor der Jahrhundertwende ein Endlager in Betrieb gehen könnte.

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