Das letzte Eis schmilzt schneller


Auch Alter und Masse schützen nicht vor dem Klimaschock: Das älteste und dickste Eis – das Walrossen und Eisbären als letzte Refugien dienen soll – schmilzt doppelt so schnell wie der Rest. Die Hitze am Pol ist nicht der einzige Grund.

Joachim Müller-Jung | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Klimawandel geht in der Arktis besonders gründlich vor, hier steigt die Temperatur zwei- bis dreimal so schnell wie etwas südlicher. In zehn Jahren, so die aktuellen Erwärmungsvorhersagen, dürfte das Meer rund um den Nordpol im Sommer jeweils bis auf einen kleinen Rest eisfrei sein. Dieser kleine Rest, „das letzte Eis“ genannt, ist für viele Organismen gleichzeitig die letzte Hoffnung – nämlich für solche Tiere wie Eisbär, Walross, Narwal oder Ringelrobbe, die auf das Polareis zum Paaren, Gebären oder zur Jungenaufzucht existentiell angewiesen sind.

Die meiste Zeit des Jahres ist dieses dicke, alte und auch im Sommer noch „überlebende“ Packeis bislang von jüngeren Eisschichten und von Schnee bedeckt. Mitte September, wenn die Eisausdehnung jeweils am Geringsten ist, war die Eisfläche dieses Jahr auf etwas über vier Millionen Quadratkilometer geschrumpft – der zweitniedrigste Wert seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen. Ein Viertel davon zählt man zum „letzten Eis“.

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