«Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet!», schreit der tolle Mensch, und der Ruf ist nicht verhallt


Pfarrerssohn, Lebensreformer und Pop-Star der Philosophie: Das Historische Museum Basel lädt zum Date mit Friedrich Nietzsche.

Urs Hafner | Neue Zürcher Zeitung

Der Laie kennt seinen Schnauz, das Ende im Wahn und vielleicht sogar den einen oder anderen Aphorismus. Im Jahr 1900 stirbt Friedrich Nietzsche, ehemals Professor für klassische Philologie an der Universität Basel, und tritt seine Karriere als populärer Philosoph an, der unterschiedliche Schulen und Lager inspiriert, Rassisten nicht weniger als Anarchisten.

Seinen 175. Geburtstag und den 150. Jahrestag der Berufung an die Universität nimmt das Historische Museum Basel zum Anlass, den Prominenten mit einer kleinen Schau zu beehren. Glücklicherweise konterkariert sie ihre Überschrift: «Übermensch – Friedrich Nietzsche und die Folgen». Man macht sich schon auf das Schlimmste gefasst, auf die bevormundende Warnung vor menschenverachtenden Ideen («von Nietzsche zu Hitler») oder einen Geisteskult, der das männliche Denken zum Schöpfungsakt hochstilisiert.

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