Sind erweiterte DNA-Analysen eine Gefahr für Minderheiten?


Gentechnisches Netzwerk warnt vor Gesetzen, die angeblich das Strafverfahren modernisieren soll. Doch das Problem ist die Diskreditierung von Rechten für Verdächtige oder Angeklagte

Peter Nowak | TELEPOLIS

Symbolbild: U.S. Customs and Border Protection (CBP Today)/gemeinfrei

Es ist eine eher trockene Materie, mit der sich der Bundestag derzeit beschäftigt. Dazu gehört die Reform des Strafprozessrechts mit zahlreichen Einzelpunkten, die wahrscheinlich auch ein Großteil der Bundestagsgeordneten nicht überblicken. Der großspurige Titel „Modernisierung des Strafverfahrens“ erinnert an das „Gute Kita-Gesetz“ und ähnliche Namensgebungen, denen ein Propagandaeffekt nicht abgesprochen werden kann.

Am vergangenen Mittwoch hat der Rechtsausschuss dem Gesetz zur „Modernisierung der Strafverfahren“ zugestimmt. Am heutigen Freitag soll das Gesetz im Plenum beschlossen werden. Die wichtigste Änderung besteht wohl darin, dass die Polizei in die Lage versetzt wird, aus Tatortspuren wie Blut oder Sperma künftig Hinweise auf das Aussehen und das Alter eines unbekannten Täters gewinnen zu können.

Damit soll der Kreis der potenziell Verdächtigen eingegrenzt werden. Allerdings bleiben auch bei der erweiterten DNA-Analyse die Prognosen ungenau.

Dass der Täter weiße Hautfarbe hat, kann mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit vermutet werden, bei blonden Haaren liegt die Genauigkeit nur bei 70 Prozent. „Die Polizei dürfte das Instrument vor allem nützlich finden, wenn es um in Deutschland noch eher seltene Merkmale wie eine dunkle Hautfarbe geht“, schreibt die Taz.

Eine kritische Einschätzung unterbleibt, doch zumindest ein leichter Zweifel scheint dem Taz-Journalisten nicht fremd. Schließlich ist dort zu lesen: „Eine Stigmatisierung sei damit aber nicht verbunden, denn auch die Zeugenaussage, dass ein Täter dunkelhäutig war, darf verwendet werden, heißt es.“

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