Die Fanatiker-Truppe RSS von Narendra Modi will Indien «säubern»


Unter Indiens Regierungschef führen sich die Hindu wie Herrenmenschen auf. Ihre radikale Organisation durchdringt die Gesellschaft. Sie will das Land von allen Nicht-Hindu befreien.

Ulrike Putz | Neue Zürcher Zeitung

Mitglieder der radikalen Hindu-Organisation RSS bei der körperlichen Ertüchtigung in einem Trainingslager in Ahmedabad. (1. Juni 2019) Ajit Solanki / AP

Es ist kurz nach sechs Uhr morgens, der Himmel über Ballabhgarh ist noch ganz grau, als die etwa 30 Uniformierten zur Attacke übergehen. Mannshohe Bambus-Schlagstöcke sausen durch die Luft, rechts und links prasseln die Hiebe, schliesslich holen die Männer zu einer Art Todesstoss gegen ihre unsichtbaren Gegner aus.

«Danke, das reicht. Antreten zum Fahnenappell», ruft Chander Bhardwaj, der die Wehrsportgruppe in dem vor den Toren Delhis gelegenen Industriestandort leitet. In einer Zeremonie, die sich zu dieser Stunde genauso zigtausendfach in Indien abspielt, stellen sich die Mitglieder in Reih und Glied auf, winkeln den Arm vor der Brust an und schwören der orangen Fahne die Gefolgschaft. «Für immer verneigen wir uns vor Dir, oh Vaterland!»

Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), Nationale Freiwilligenorganisation, heisst der Verein, der allmorgendlich etwa 60 000 Ortsgruppen zu Kriegsspielen antreten lässt. Die 1925 gegründete radikalhinduistische Kaderorganisation hat das erklärte Ziel, anstelle des multikulturellen indischen Staats ein «Hindurastra» zu errichten, ein hinduistisches Grossreich.

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