Irrweg Stadtimkerei, das sogenannte Bienensterben …

Pollensammlerin

Viele Kommunen, Privatleute, Schulen und Imagepflege betreibende Unternehmen wurden im letzten Jahrzehnt neu imkerisch aktiv. Bienenhaltung in der Stadt galt als Naturschutz – eher ist sie das Gegenteil.

Ruth Berger | TELEPOLIS

Stadtimkerei: Ein Problem, keine Lösung

Das Konzept „Stadtimkerei“ beruht auf der Annahme, die Honigbiene sei bedroht oder werde seltener. Beides ist falsch (Erläuterungen für Zweifler weiter hinten). Nicht Honigbienen, sondern ausschließlich Wildbestäuber, besonders Schwebfliegen, waren es denn auch, die nach ersten Einzelauswertungen der Tiere in den Fluginsektenfallen der viel zitierten Krefelder Studie einen starken Bestandsrückgang erlebten.2 Wilde Bienen gibt es um die 550 Arten in Deutschland, knapp die Hälfte gilt als gefährdet, bei Schwebfliegen und Tagfaltern ist die Lage nicht besser. Alle, vielleicht mit Ausnahme der Erdhummel, sind in Deutschland seltener als die Honigbiene.

Die Honigbiene ist als Nutztier im Vorteil gegenüber Wildbestäubern, weil sie vom Menschen mit Niststöcken, Zuckerwasser-Zufütterung und gelegentlich Fahrdiensten zur aktuell blühenden Tracht unterstützt und im Krankheitsfall behandelt wird. Wilden Bestäubern mangelt es in der landwirtschaftlichen Flur an Nahrung und Nistmöglichkeiten.

Unser Hauptnahrungsmittel Süßgrasgetreide (Weizen, Roggen, Mais,3 Reis u.ä.) ist nun einmal windbestäubt; landwirtschaftliche Blühpflanzen wie Raps sind nur bedingt hilfreich, weil sie nur kurz blühen, während den Rest des Jahres auf den Feldern Nahrungsmangel herrscht. Mobile, anpassungsfähige Kulturfolger wie Erdhummel oder Kohlweißling kommen auch in solchen Umwelten noch zurecht; viele dieser Arten sind noch immer häufig.

In starkem Rückgang dagegen sind Nahrungsspezialisten und Arten mit kleinem Aktionsradius.4 Diese Tiere können menschengemachte Massenblüten wie Raps oder Obstbaumplantagen nicht oder kaum nutzen, da braucht es die negativen Auswirkungen von Pestiziden gar nicht mehr. Kurz, Wildbestäuber sind auf Rückzugsräume ohne viel Ackerbau angewiesen, die vom Menschen umhegte Honigbiene nicht. Zu den Rückzugsräumen gehören Großstädte, aus Bestäubersicht Felseninseln mit ackerbaufreien grünen Tälern und Ebenen.

Hier gibt es von Februar bis November Blüten.5 Nistmöglichkeiten sind zahlreich, wie Gebäudeüberhänge und -Spalten, Fugen in Mauern, Hohlräume an Dächern, kahle Erdstellen, Sand und Erdanschnitte an Baustellen, vertrocknete Brombeerstängel, morsches Holz aller Art; gelegentlich werden sogar Fensterdichtungen, Plastik- oder Metallteile genutzt.6 Die Vielfalt an Pflanzen, Mikroumwelten und Mikroklimata auf kleinem Raum7 bieten vielen Spezies Möglichkeiten: Neben oft wenig geeigneten Ziergärten8 und Liegewiesen-Parks gibt es in Großstädten größere semi-natürliche Flächen, in dezidierten Naherholungs- und Naturschutzgebieten und da, wo man es nicht erwartet, an Industrie- und Gewerbegeländen, Autobahnüberführungen, Ausfallstraßen und an Bahndämmen.

Eine flächenmäßig kleine Großstadt wie Frankfurt ist an den Rändern durchzogen von einem Tausende Hektar großen Mosaik aus Wiesen, kleinen und großen Gehölzen, Pferdekoppeln, Auwald und Gewässern,9 verbuschenden Brachen, wilden Gehölzen, dazwischen immer wieder sandige Flächen mit dünnem Trockenrasenbewuchs, die auf dem Land rar geworden sind.

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