Boualam Sansal: Invasoren und Käfer


„Ich hatte meine literarischen Kräfte überschätzt“: Ein weiterer mutiger Versuch des Friedenspreisträgers Boualam Sansal, Islamismus und politische Willkür als schleichendes Gift zu benennen, das die Gesellschaft auseinanderbringt.

Rudolf von Bitter | Süddeutsche Zeitung

Acht Seiten vor dem Ende lässt der Autor heraus, womit man sich bis dahin herumgeschlagen hat: „Vor längerer Zeit habe ich entdeckt, dass unsere Geschichte nicht in der Form eines Romans erzählbar ist, ich hatte meine literarischen Kräfte überschätzt.“ Das notiert natürlich eine der Figuren der Geschichte, aber das Fazit bleibt.

Offenbar sind es zu viele lose Enden, die Boualem Sansal hier versammelt hat, um ein Netz daraus knüpfen oder gar ein Bild entstehen lassen zu können: Notizen, Romananfänge und Romanschlüsse, Reflexionen über Thoreaus „Walden“ und Kafkas „Verwandlung,“ diverse Analogien bildende Beobachtungen. So stellt er die Migration afrikanischer und arabischer Menschen nach Europa neben die Auswanderung von Europäern nach Amerika und vergleicht die Gesellschaften, die sie aufnehmen sollen. Auf die Idee könnte ihn ein Besuch des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven gebracht haben, das von einer seiner Figuren ausführlich beschrieben wird.

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