„Die notorischen Motzer können es sich dann nicht mehr in ihrem Schmollwinkel bequem machen“


Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler über Negativ-Erzählungen, die zu Hysterie oder Apathie führen, über der Zerfallen der Mitte als eigentliches Drama der Demokratie und über neue Formen der Mitsprache.

Joachim Frank | Frankfurter Rundschau

Herr Professor Münkler, den „Abschied vom Abstieg“ fordern Sie – gemeinsam mit Ihrer Frau – in Ihrem neuen Buch. Fußballfans wissen: Reden allein hat da noch selten genutzt.
Das stimmt. Allerdings vollzieht sich der Abstieg, den wir vor Augen haben, auch weniger auf der Grundlage von Fakten, wie etwa verlorenen Spielen und fehlenden Punkten, als vielmehr einer großen Erzählung, eines Narrativs, das die Zuversicht aufzehrt. Das wiederum verbindet unsere Überlegungen dann doch mit der Situation von Fußballvereinen, die vom Abstieg bedroht sind: Wer keine Zuversicht hat, hat auch keine Chance, die Liga zu halten.

Sind Erzählungen stärker als Tatsachen?
Auf jeden Fall bekommen bloße Fakten erst durch die Erzählungen einen Sinn. Nehmen Sie den „Glücksatlas“, dem zufolge die Deutschen – auch die Ostdeutschen – sich als so glücklich empfinden wie schon lange nicht mehr. Dennoch erliegen die Ostdeutschen dem Narrativ von den „abgehängten Bürgern zweiter Klasse“. Das heißt: Jenseits der Faktizitäten werden die Narrative zu einer eigenen Wirklichkeit, die den Wahrnehmungshorizont der realen Welt verdunkelt.

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