Obdachlose frieren und die Kirche bekommt Geschenke


Die Dortmunder Obdachloseninitiativen rufen aktuell zu Schlafsackspenden auf, damit die Obdachlosen bei den kommenden Minustemperaturen im Winter der Kälte trotzen können. Die Stadt Dortmund hat im Gegenzug im Sommer mal eben 3,717 Millionen Euro für fünf Tage Evangelischen Kirchentag ausgegeben. Der Fraktionsvorsitzende der Linken und Piraten im Rat der Stadt Dortmund, Utz Kowalewski, nennt diese Ausgaben „unsäglich“.

Carsten Klink | hpd.de

Das „Elfte Gebot“ in Dortmund. Foto: © Carsten Klink

Dabei stellen die 3,717 Millionen Euro gar nicht mal alle Kosten dar, die die Stadt Dortmund hatte. Durch die völlig übertriebene Sperrung der Hauptverkehrsader der Innenstadt, des Ostwalls, für die Kirchentagsgottesdienste, die obendrein auch noch sehr schlecht besucht waren, wird es sehr starke Umsatzeinbrüche für den Innenstadteinzelhandel gegeben haben und somit natürlich auch deutlich weniger Gewerbesteuer für die Stadt. Selbst der Vorsitzende des Dortmunder Cityring, vor dessen Ladenlokal weit außerhalb des Ostwalls extra grüne Kirchentagsbänke standen, kommentierte auf Nachfrage, dass der Handel lediglich nur „zufrieden“ gewesen sei. Was bei der Vollsperrung des Ostwalls wohl eine kleine Untertreibung gewesen sein dürfte.

Erstaunlich ist auch, dass das Pokemon-Go-Fest, welches wenige Woche nach dem Kirchentag in Dortmund stattfand, ganz ohne städtische Zuschüsse und Straßensperrungen mit 150.000 Besucher*innen mehrere 10.000 Menschen mehr angelockt hatte als der hochsubventionierte Kirchentag. Noch erstaunlicher ist es, dass die rund 162.000 evangelischen Menschen in Dortmund zum größten Teil wohl auch kein Interesse an dem Kirchentag ihrer Kirche hatten. Sonst wären ja nicht aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland nur 80.000 Dauergäste angereist. Übrigens 20.000 weniger als von den Kirchentagsbetreibern erwartet. Der Besucherandrang ist also mit dem eines guten Bundesligaspiels vergleichbar. Dabei ist die größte Bevölkerungsgruppe in Dortmund inzwischen sowieso die der religiös ungebundenen Menschen.

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1 Comment

  1. Daran erkennt man ja ganz klar und deutlich, wo die Prioritäten gesetzt werden. Höchst beschämend für das „christliche Abendland“. Würde man die christlichen Tugenden leben, und wären das nicht nur hohle Lippenbekenntnisse, dann würde es gar keine Obdachlosen geben, und es wären auch keine aufgeblasenen Kirchentage nötig.

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