„Der Mensch wird aussterben“


Der Mensch sei das komplexeste aller sozialen Wesen, sagt Kurt Kotrschal. Verantwortlich sei das menschliche Gehirn: hochgetunt, aber auch störungsanfällig. Für den Evolutionsbiologen ist klar: Menschen wird es irgendwann nicht mehr geben.

Kurt Kotrschal im Gespräch mit Maike Albath | Deutschlandfunk Kultur

Kakerlake (picture alliance/Ralph Goldmann)

Stößt die menschliche Evolution an ihre Grenzen? Der Evolutionsbiologe Kurt Kotrschal bezweifelt, dass Menschen in Zukunft völlig neue Fähigkeiten entwickeln könnten: „Aus Spezialisierungen kommt evolutionär nie etwas Neues, sondern die spezialisierten Arten sterben immer irgendwann einmal aus. Und so wird es uns, so leid es mir tut, auch gehen. Ich hoffe natürlich, dass es noch eine Zeitlang dahingeht.“

„Unser Gehirn ist hochgetunt und störungsanfällig“

Kotrschal zeigt sich auch skeptisch, ob das menschliche Gehirn weiter so anwachsen werde wie in der Vergangenheit: „Zweifel sind angebracht, weil bereits jetzt die hohe Leistungsfähigkeit des Gehirns offenbar mit einer hohen Fehleranfälligkeit und einer hohen Störungsanfälligkeit erkauft wird.“ Als Beispiele nannte er mentale Störungen wie Angst- und Essstörungen. „Kaum jemand von uns kommt durchs Leben, ohne einmal in so ein Problem reingefallen zu sein. Und das ist ein starkes Indiz dafür, dass wir schon sehr, sehr hochgetunte Gehirne haben.“

Das menschliche Gehirn sei nicht nur größer, sondern es sei genetisch auch anders aufgestellt. „Wir fahren mit sowas wie einem Formel-Eins-Gehirn durch die Gegend, während unsere Verwandten immer noch mit dem Standard-Motor durch die Gegend tuckern.“ Dieses Gehirn und die hochentwickelte Symbolsprache machten den Menschen aber auch zum „komplexesten aller sozialen Wesen“.

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