Geistlicher Missbrauch: Priester und ihre Macht


Die Skandale um sexuellen Missbrauch beuteln die römisch-katholische Kirche seit Jahrzehnten. Es tut sich einiges in Sachen Aufklärung und Prävention. Doch wenigen ist bewusst, dass Missbrauch auch auf geistiger Ebene stattfindet.

Johanna Grillmayer | religion.ORF.at

Das Gespräch zwischen der früheren Ordensfrau Doris Wagner und Kardinal Christoph Schönborn im Februar sorgte für Sensibilisierung. Bild: Herder Verlag

Dabei betrifft es wohl viele: die Frau, der ihr Priester rät, in ihrer Ehe mit einem Gewalttäter zu verharren, weil die Kirche es verlange. Das junge Paar, auf das eine Pfarramtsangestellte Druck ausübt – wann werde denn endlich geheiratet? Und schließlich das Beichtkind, dem gesagt wird, es dürfe über „gewisse Dinge“ mit niemandem reden – bis hin zur Androhung der Hölle. Formen geistigen und geistlichen Missbrauchs gibt es viele.

Der steirische Pfarrer und Gerichtsvikar im bischöflichen Ordinariat der Diözese Graz-Seckau, Gerhard Hörting, hat zu diesem Thema ein Symposium organisiert, das Ende November in Graz stattfindet. Er will das Thema wissenschaftlich bearbeiten – „es gibt noch nicht viel Literatur darüber“, wie er im Gespräch mit religion.ORF.at sagte. Die Idee zum Symposium habe große Resonanz, gerade auch im medizinischen Bereich, gefunden. So werden als Vortragende neben Theologinnen und Theologen auch Fachleute aus Psychiatrie, Psychologie und aus dem Strafrecht erwartet.

Initialzündung durch frühere Ordensfrau

Initialzündung für eine Sensibilisierung auf dem Gebiet geistiger/geistlicher Missbrauch war das Gespräch zwischen der früheren Ordensfrau und Buchautorin Doris Wagner und Kardinal Christoph Schönborn im Bayerischen Rundfunk im Februar dieses Jahres. Das viel beachtete Zwiegespräch erschien auch in Buchform. Das und Wagners andere Bücher sind Schlüssel zur Erschließung eines Phänomens, das weiter verbreitet ist, als man vermuten würde.

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