Missbrauchsfälle bringen Kirchenobere in Erklärungsnot: Gemeinden bekunden Empörung über die Versetzungspraxis


Ein Missbrauchsfall bringt Gemeinden in Aufruhr und Bischöfe in Erklärungsnot: Trotz Verurteilungen konnte ein Priester in drei Bistümern als Seelsorger arbeiten.

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Das Kirchenvolk schäumt. Wie kann ein Priester, der zweimal wegen Missbrauchs verurteilt wurde, in drei Bistümern über Jahrzehnte als Seelsorger arbeiten? Der Fall des inzwischen 85-jährigen Geistlichen löst an der Kirchenbasis blankes Entsetzen aus. Generalvikare und Bischöfe reisen in betroffene Gemeinden, um das Unerklärliche zu erklären. Münsters Oberhirte Felix Genn wählte am Freitag zudem die ungewöhnliche Form eines offenen Briefes, um Systemfehler zu benennen und eigene Fehler einzugestehen.

Der Fall war Mitte November bekannt geworden. Der Geistliche aus dem Erzbistum Köln war 1972 wegen „fortgesetzter Unzucht mit Kindern und Abhängigen“ zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Bereits ein Jahr später konnte er wieder in der Seelsorge tätig werden – im Bistum Münster. Dort wurde er wieder auffällig und erhielt 1988 eine Bewährungsstrafe. Daraufhin setzte ihn sein Heimatbistum in einem Kölner Altenheim ein. Im Ruhestand konnte er von 2002 bis 2015 ungehindert in der Pfarrseelsorge in Bochum-Wattenscheid mitarbeiten.

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