Ch. Butterwegge befürchtet fortschreitende Spaltung der Gesellschaft


„Die zerrissene Republik“ heißt das neue Buch von Christoph Butterwegge. Im Gespräch erläutert der Kölner Politikwissenschaftler, warum aus seiner Sicht die wirtschaftliche, soziale und politische Ungleichheit in Deutschland zunimmt.

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KNA: Herr Professor Butterwegge, was bedeutet es in Deutschland, arm zu sein?

Butterwegge: Unterschieden wird im Allgemeinen zwischen absoluter Armut und relativer Armut. Jemand, der in absoluter Armut lebt, kann elementare Grundbedürfnisse nicht befriedigen, hat zum Beispiel keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung oder keine den Wetterverhältnissen angemessene Kleidung. Das trifft zumindest auf einen Teil der schätzungsweise 678.000 wohnungslosen Menschen in Deutschland zu.

KNA: Und relativ arm …?

Butterwegge: … ist jemand, der sich vieles von dem nicht leisten kann, was bei anderen als normal gilt: ein Treffen mit Freunden in einer Kneipe oder ein Kinobesuch. Als von relativer Armut bedroht gelten in der EU Menschen, die weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung haben, aktuell bei Alleinstehenden hierzulande weniger als 999 Euro im Monat.

KNA: Was lässt sich über Reichtum in Deutschland sagen?

Butterwegge: Das Ranking des Finanzmagazins „Bilanz“ führt den Lidl- und Kaufland-Inhaber Dieter Schwarz mit einem Privatvermögen von 41,5 Milliarden Euro als reichsten Deutschen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat errechnet, dass 45 Familien in Deutschland so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung, also über 40 Millionen Menschen.

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