Europäische Verteidigungsminister kaufen zunehmend lieber in den USA


Vor fünf Jahren vereinbarten Frank-Walter Steinmeier und die Verteidigungsminister der anderen NATO-Mitgliedsländer in Wales, jährlich mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in den Verteidigungssektor fließen zu lassen. Diese Vereinbarung ist neben dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine einer der Gründe dafür, dass sich die Rüstungsausgaben der europäischen Länder (ohne Russland) 2018 um 2,6 Prozent auf etwa 256 Milliarden Euro erhöhten.

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Für die amerikanische F-35 haben sich unter anderem Italien, Dänemark, die Niederlande, Norwegen und Großbritannien entschieden. Foto: U.S. Air Force, Master Sgt. Donald R. Allen

Die ARD-Börse diagnostizierte deshalb vor einem Jahr eine „Goldgräberstimmung bei Europas Rüstungsschmieden“. Eine Studie der Beratungsgesellschaft AlixPartners zeigt nun jedoch, dass ein zunehmender Teil der Steuergelder für Verteidigungsausgaben nicht an europäische, sondern an US-amerikanische Unternehmen fließt. Deren Anteil stieg zwischen der Vereinbarung des Zwei-Prozent-Ziels 2014 und 2018 auf 58 Prozent. Das ist deutlich mehr als der Anteil von 36 Prozent, den diese Unternehmen weltweit haben.

Beispiel Eurofighter: Hohe Preise und gesunkenes Vertrauen

Dass die europäischen Verteidigungsminister lieber als erwartet zu Rüstungsgütern aus den USA griffen, kann für den von der Welt am Sonntag befragten AlixPartners-Rüstungsexperten Stefan Ohl zwei mögliche Ursachen haben: „Entweder sind die europäischen Produkte zu teuer – oder aber dies ist ein Zeichen für ein mangelndes Vertrauen in die eigene Rüstungsindustrie“. Weiterhin denkbar wären überzeugendere Werbungsbemühungen auf politischer Ebene oder Kombinationen aus diesen zwei oder drei möglichen Ursachen.

weiterlesen