„Kraft Sibiriens“ liefert russisches Gas nach China


Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hat via Interfax bekannt gegeben, dass der russische Staatspräsident Wladimir Putin und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping am 2. Dezember in einer Videokonferenz offiziell den 2157 Kilometer langen Hauptteil der neuen Gaspipeline „Sila Sibiri“ eröffnen werden. Über diese „Kraft Sibiriens“ aus knapp eineinhalb Meter dicken Stahlrohren sollen jährlich 38 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas in das Reich der Mitte geliefert werden. Das ist etwa die Hälfte des Volumens, das Deutschland in einem Jahr verbraucht.

Bild von Anita starzycka auf Pixabay

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

China verbraucht mit etwa 240 Milliarden Kubikmeter nicht nur deutlich mehr als Deutschland, sondern auch etwa ein Drittel mehr, als das Land fördern kann, obwohl es selbst der weltweit sechstgrößte Gasproduzent ist. Deshalb ist die Volksrepublik aktuell auch der weltweit zweitgrößte Flüssigerdgas-Importeur nach Japan.

Auch von strategischer Bedeutung

Der Preis, den die Chinesen für das unverflüssigte russische Erdgas zahlen, ist an den Ölpreis gebunden. Aktuell rechnet man mit 400 Milliarden US-Dollar jährlich. Von diesem Ölpreis hängt ab, ab wann sich die Pipeline amortisiert. Ein weiter offener Faktor in dieser Rechnung sind die Gesamtkosten des „größten Bauprojekts der Welt“, wie es Wladimir Putin 2014 nannte. Anfangs war bei Gazprom von umgerechnet 55 Milliarden Dollar die Rede, dann von über 70.

Allerdings ist die Pipeline auch von strategischem Wert, weil sie den russischen Gazprom-Konzern weniger von Europa abhängig macht, wo er einem Marktanteil von etwa einem Drittel hat und wohin er derzeit mit gut 200 Milliarden Kubikmetern jährlich das meiste Gas liefert. Wahrscheinlich war es deshalb kein Zufall, dass die vorher zehn Jahre lang geführten Verhandlungen zwischen Gazprom und dem chinesischen Energiekonzern CNPC ausgerechnet im Frühjahr 2014 in den Sila-Sibiri-Vertrag mündeten, als sich das Verhältnis zwischen Russland und der EU im Zuge der Ukrainekrise deutlich verschlechterte.

Verflüssigung in Wladiwostok

Das Gas aus Jakutien und Irkutsk, das durch Sila Sibiri fließt, soll über eine Verlängerung nicht nur nach China, sondern auch in die ostsibirische Hafenmetropole Wladiwostok geleitet werden. Dort wird es dann verflüssigt und mit Schiffen exportiert. Das Geschäft mit dem Export von russischem Flüssigerdgas macht aktuell der Nowatek-Konzern. Dieses Energieunternehmen gehört dem 30 Milliarden Euro schweren Oligarchen Leonid Michelson, der im Steuerparadies Luxemburg angemeldeten Volga Group des Oligarchen Gennadi Timtschenko, dem französischen Total-Konzern, der chinesischen CNPC und zu jeweils knapp zehn Prozent Gazprom und dem chinesischen Seidenstraßenfonds.

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