Wie viel hat der moderne Mensch mit dem Aussterben der Neandertaler zu tun


Lange bevor Homo sapiens nach Europa kam, lebten die Neandertaler schon dort. Die Koexistenz dauerte nicht lange. Eine Studie untersucht, welche Einflüsse zum Verschwinden unserer nahen Verwandten geführt haben.

Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

Zehntausende, gar Hunderttausende Jahre bevölkerten sie Europa, von der Atlantikküste im Westen bis hinein nach Asien: die Neandertaler. Sie waren in Europa entstanden, ihr Verbreitungsgebiet war riesig, aber ihre Zahl immer klein. Viele Neandertaler gab es nie, Forscher bezweifeln, dass es je auch nur 50 000 von ihnen gab, die sich erfolgreich fortpflanzten. Tatsächlich hält man eine Zahl von nur wenigen tausend solcher Individuen für realistischer. Sie überlebten bis vor etwa 40 000 bis 30 000 Jahren. Dann verschwanden sie aus dem Fossilbericht, und der anatomisch moderne Mensch wurde zum einzig verbliebenen europäischen Menschen.

Letzterer hatte einige zehntausend Jahre zuvor begonnen, aus seiner afrikanischen Heimat heraus auch andere Gebiete zu besiedeln. Im Nahen Osten, so vermuten die Forscher, traf er vor 60 000 bis 50 000 Jahren auf Neandertaler. Die Spuren dieser Begegnungen tragen wir noch heute in Form von Neandertaler-Erbgut in uns: Die beiden Menschentypen zeugten bei ihrem Aufeinandertreffen Kinder. Für einige Zeit kamen beide in Europa vor. Dann verschwand der Neandertaler.

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