Katholisches Dilemma


An diesem Sonntag startet der „synodale Weg“, mit dem die katholische Kirche Reformen einleiten will. Aber dass er zu echten Reformen führt, ist sehr unwahrscheinlich.

Ludger Verst | Frankfurter Rundschau

Vor Reden, in denen Wörter wie „pastoral“, „synodal“ oder „Dialog“ vorkommen, sollte man sich in Acht nehmen. Erst recht vor einem „Weg“ oder „Prozess“ — zumindest in der katholischen Kirche. So steht auch das, was an diesem ersten Adventssonntag, als zweijähriger Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland beginnen soll und als „Synodaler Weg“ bezeichnet wird, unter keinem guten Stern.

Das Wort selbst verrät schon die Verlegenheit. Man will gemeinsam sich beraten, doch am Ende entscheiden wieder die Alten, nämlich Bischöfe. Eine herrlich versteckte Tautologie der Macht: Die Kirche ändert sich und sie bleibt, wie sie ist.

In dieser Haltung steckt das große Dilemma der katholischen Kirche. Eine in ihren sakralisierten Strukturen unbewegliche Administration will sich auf den Weg machen, kann es aber nicht. Ihr „Weg“ ist reine Absichtserklärung, nicht einmal ein Kurzausflug. Die Fata Morgana einer nur eingebildeten Veränderungsfähigkeit.

Das Tragische ist: In den Luftspiegelungen solcher Wege, Dialoge und Prozesse bleibt bis hin zur Existenzgefährdung alles beim Alten. Das spürt ein Großteil der sogenannten „Laien“, vor allem Frauen, die den Aufbruch wollen: heraus aus den pastoralen Zirkeln in den offenen gesellschaftlichen Raum hinein.

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