Studiengang „Sterben“: „Tod und Geburt verlangen den Menschen Ähnliches ab“


Ein neuer Studiengang befasst sich mit dem Sterben und unserem Umgang damit. Ein Interview mit Moraltheologe Rupert Scheule, der die „Perimortale Wissenschaft“ in Regensburg leiten wird.

Leonie Feuerbach | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Herr Scheule, vom kommenden Wintersemester an gibt es an der Universität Regensburg den Studiengang „Perimortale Wissenschaften“. Was lernen die Studenten bei Ihnen?

Uns ist es wichtig, dass die Studenten zunächst eine Selbstkompetenz erwerben. Wenn sich jemand dauerhaft beruflich mit dem Tod beschäftigen will, braucht es die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit.

Und weiter?

Das Studium ist interdisziplinär. Es geht um medizinische und juristische Fragen rund um den Tod und um die gesellschaftlichen Strukturen, in denen Sterben, Tod und Trauer stattfinden. Aber auch nicht zuletzt darum, eine gute Traueransprache zu halten. All das dient einem Ziel: Die Studenten sollen lernen, Menschen im perimortalen Raum zu begleiten, also Sterbende und Trauernde, aber auch Profis, die ihrerseits für Betroffene da sind. An die Fachleute in Krematorien, Friedhofs­verwaltungen oder Bestattungsinstituten wird zu wenig gedacht. Sie haben wissenschaftliche Aufmerksamkeit und gute Begleitung verdient.

Neulich habe ich gelesen, dass der Mensch nach seinem Tod noch hören kann. Wissen wir über den Tod schlechter Bescheid, als man denken könnte?

Wir wissen, dass beim Tod normalerweise zuerst das Herz stillsteht. Drei bis zwölf Sekunden später wird die Person bewusstlos, die Atmung erlischt. Gehirnströme gibt es aber noch bis zu einer halben Minute lang und tatsächlich können Menschen auch noch hören, wenn ihr Herz nicht mehr schlägt. Ein Leben ist also nicht plötzlich vorbei. Trotzdem verfallen viele Angehörige schon beim Atemstillstand in Hektik, wollen Arzt oder Bestatter rufen, anstatt einfach etwas innezuhalten. Auch solches Wissen wollen wir vermitteln.

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