Indien: Vergewaltigung als Kriegsführung


Indiens Wirtschaft kommt nicht auf die Beine. Kaschmir ist wichtiger: Dort fordert ein indischer Ex-General Vergewaltigungen als legitime Taktik der Aufstandsbekämpfung

Gilbert Kolonko | TELEPOLIS

Keine Arbeit in Indien. Tagelöhner warten mit ihren Werkzeugen in Kolkata auf Beschäftigung, während die Politik Illusionen verkauft. Foto: Gilbert Kolonko

In Indiens Talkshows geht es oft heftig zur Sache. Aber als der ehemalige Major General SP Sinha in geselliger Runde auf dem Hindu-Kanal Channel 9 forderte, in Kaschmir Tod mit Tod zu begleichen und Vergewaltigung mit Vergewaltigung war auch hier ein neuer Tiefpunkt erreicht.

Sinha begründete seine Aussagen auch als Rache für die hinduistischen Pandits in Kaschmir, die in den 1980er und 1990er Jahren Opfer von islamistischen Aufständischen geworden waren. Pakistans Staats-Präsident Ariv Alvi goss mit einem Tweet sofort Öl ins Feuer: „Stellen sie sich das Schicksal kaschmirischer Frauen vor, wenn solche Männer Macht und Straffreiheit besitzen.“ Dann verwies Asif auf eine Untersuchung von 1996, in der festgestellt wurde, dass die indische Armee Vergewaltigung als taktisches Mittel in Kaschmir eingesetzt habe.

Nun muss klar gesagt werden, dass Pakistan kaum ein Recht hat, für die indischen Kaschmiris zu sprechen. Erstens wollen die meisten von ihnen kein Teil von Pakistan sein, sondern die Unabhängigkeit. Zweitens tut Pakistan nicht einmal genug, um seine muslimischen Minderheiten im eigenen Land zu schützen. Ganz zu schweigen von den Hindus und Christen in Pakistan, die wegen des Blasphemie-Gesetzes jederzeit zu Opfern werden können.

Doch wer sich in Indien umschaut, der findet den Kommentar der indischen Aktivistin Elsa Marie zu den Aussagen des Ex-Generals trotzdem treffend: „Schaut euch den Mann neben ihm an (neben dem Ex-General während der Talkshow). Er repräsentiert die Masse Indiens, die schweigende Zuschauer sind.“

Hass auf Muslime und Lügen sind salonfähig geworden

So schaut der überwiegende Teil Indiens schweigend zu, wie in Kaschmir seit der Streichung des Autonomiestatus durch die Modi-Regierung am 5. August diesen Jahres Menschenrechte mit Füßen getreten werden: Mehr als 100 Tage dauerten in Kaschmir Ausgangssperren, Internet- und Telefonsperrungen. Die Arbeit von Journalisten in Kaschmir ist stark eingeschränkt oder unmöglich. Die Kaschmiris selbst reagieren mit Streiks und Steinen.

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