Warum die Neuen Rechten keine Verbündeten bei der Islamkritik darstellen


Wer Kritik an der Religion des Islam und seiner politischen Ausprägung betreibt, hat ihn sicherlich schon einmal gehört: den Vorwurf, den Rechten nach dem Mund zu reden. Oder sogar selbst ein Rechter zu sein.

Joscha Wölbert | hpd.de

Und wenn man sich die lautesten und schrillsten Stimmen in der Debatte ansieht, kann durchaus der Eindruck entstehen, dass die Islamkritik besonders dem politisch rechten Spektrum nahesteht und sogar teilweise deren Aushängeschild geworden ist. Nicht zuletzt, weil die Linken in der Thematik gespalten sind.

Doch nur, weil aus Kreisen um die AfD oder der Neuen Rechten Flüchtlinge etwa als „muslimische Invasoren“ bezeichnet werden oder von der „Islamisierung des Abendlandes“ gesprochen wird, gilt ihre eigentlichen Kritik meist gar nicht so sehr dem Islam selber. Dies mag auf den ersten Blick irritieren, fordert doch gerade die AfD und ihr politisches Umfeld besonders harte Bandagen gegen Islam und Muslime. Doch sie tun dies nicht, um die liberale Demokratie zu schützen oder aufklärerische Werte hochzuhalten, sondern aus einem besonderen Kulturverständnis heraus, das als „Ethnopluralismus“ bezeichnet wird.

Um dies besser zu verstehen, lohnt sich exemplarisch ein Blick auf diesen Begriff, der von vielen Neu-Rechten Gruppierungen und Vordenkern genutzt wird, zwecks Beschreibung ihres Weltbildes.

„Ethnopluralismus“, ein Wort, welches zu Beginn leicht an etwas wie „Multikulti“ erinnern kann, aber doch genau das Gegenteil meint.

Unter Ethnopluralismus verstehen die Neuen Rechten ein Konzept, in welchem alle Kulturen nebeneinander koexistieren sollen, aber nur in ihrem ursprünglichen Kulturraum. Eine Vermischung oder Assimilation untereinander soll vermieden werden, um die Reinheit der Kultur zu bewahren. Oberflächlich hat dies scheinbar wenig mit direktem Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu tun, welche man traditionell im radikalen rechten Lager verortet.

Doch, betrachtet man das Konzept einmal genauer, fallen die eklatanten weltanschaulichen Brüche zu einem humanistischen, aufgeklärten Weltbild deutlich ins Auge.

Dort werden Menschen kollektiv von Geburt an bestimmten Kulturräumen zugeordnet. Es wird ihnen abgesprochen, selbstständig zu bestimmen, wo sie sich zugehörig fühlen. Damit wird jedem Menschen qua Geburt bereits eine Kultur auferlegt, der er nicht entfliehen kann und auch nicht entfliehen sollte. Dadurch, dass Kultur somit beinahe zu einem körperlichen und vererbbaren Merkmal gemacht wird, kommt beim Ethnopluralismus der Rassismus durch die Hintertür. In vollem Umfang umgesetzt, würde ein solches Konzept zu einer weltweiten Apartheid führen, in der jeder Kulturraum sich hermetisch vom anderen verschließt.

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