Politischer Islam in Deutschland:„Wir haben einiges zu verteidigen“


Die Ethnologin Susanne Schröter ruft dazu auf, das Grundgesetz gegen den politischen Islam zu verteidigen. „Wir müssen aufpassen, dass die individuellen Freiheitsrechte uns nicht verlorengehen“, sagte Schröter im Dlf. Religiöse Normen dürften nicht an die Stelle weltlicher Normen treten.

Susanne Schröter im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Susanne Schröter ist Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (imago/ Sven Simon)

Andreas Main: Heute zu Gast: Susanne Schröter, Professorin in Frankfurt. Sie ist Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Universität, ein Zentrum, das gerade sein fünfjähriges Jubiläum gefeiert hat. Auf Susanne Schröter bezog sich neulich auch der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache, als sich Verbandspräsidentin Jaqueline Schäfer besorgt zeigte, was die Meinungsfreiheit in Deutschland betrifft. Eines ihrer Beispiele, eine Frankfurter Konferenz über das Kopftuch im Islam, die von wütenden Protesten und Rassismusvorwürfen gegen die verantwortliche Professorin begleitet wurde, gegen Susanne Schröter. Zuletzt ist von ihr erschienen das Buch „Politischer Islam: Stresstest für Deutschland“. Es ist das Buch, wenn ich es richtig gelesen habe, einer Liberalen durch und durch, einer Frau, die Religionsgemeinschaften und Staat nicht verwischt wissen möchte, nicht verwoben und vermischt. Wir sitzen uns im Studio des Hessischen Rundfunks in Wiesbaden gegenüber und zeichnen dieses Gespräch auf, beziehungsweise haben es aufgezeichnet. Schön, dass Sie hier sind, Susanne Schröter, guten Tag.

Susanne Schröter: Guten Tag.

Main: Frau Schröter, egal, ob Titel und Untertitel Ihres Buchs auf Ihr Konto oder das Konto des Verlags gehen, aber „Politischer Islam: Stresstest für Deutschland“ ist schon eine Ansage. Stress macht nervös, macht krank. Sollten wir allergisch reagieren auf das, was als politischer Islam bezeichnet wird?

Schröter: Nun, allergisch sollte man nicht reagieren, sondern man sollte das als Auftrag vielleicht nehmen, wenn man sich genügend Informationen angeeignet hat, um zu handeln, um auch in bestimmten Bereichen, in denen es meiner Meinung nach Stress gibt, gegenzusteuern. Letztendlich geht es um die Islampolitik in Deutschland, die meiner Meinung nach einen Drall gekriegt hat in Richtung einer Empowerment des politischen Islam, also großer Organisationen, die ich aus vielerlei Gründen für problematisch halte. Und ich denke, dass die Politik besser beraten wäre, wenn sie liberale, humanistische und säkulare Muslime, die nun auch die Mehrheit bei uns stellen, stärker einbezieht in Gremien oder in Partizipationsmodelle jeglicher Art.

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