Abschied vom indischen Pluralismus


Die Entscheidung Indiens, muslimische Flüchtlinge vom schnellen Erwerb der Staatsbürgerschaft auszuschließen, ist diskriminierend. Der pluralistische Charakter Indiens wird gerade verändert, meint Debarati Guha.

Debarati Guha | DW

Die Verfassung Indiens betont die Gleichstellung aller Menschen – unabhängig von Geschlecht, Kaste, Religion, Klasse, Gemeinschaft oder Sprache. Bisher galt das auch für das Staatsbürgerschaftsrecht des Landes. Das jetzt verabschiedete neue Staatsbürgerschaftsgesetz – kurz CAB (Citizenship Amendment Bill) – atmet aber genau den gegenteiligen Geist: Es verstößt gegen alle diese Grundwerte und folgt in einem angeblich säkularen Land der Ideologie des Hindu-Nationalismus, indem es die Religion zum Schlüssel für die Staatsbürgerschaft macht.

Dieses Gesetz spricht allen Bestimmungen der indischen Verfassung Hohn, die das Recht der Bürger auf Gleichheit vor dem Gesetz und Nicht-Diskriminierung durch den indischen Staat garantieren. Das neue Recht, welches das Staatsbürgerschaftsrecht von 1955 ersetzt, zerstört hingegen die integrative Vision, die schon Indiens Kampf um die Freiheit von der britischen Kolonialherrschaft geleitet hat. Menschen, die in Bangladesch, Afghanistan und Pakistan verfolgt werden, können jetzt nur noch dann bevorzugt indische Staatsbürger werden, wenn sie keine Muslime sind.

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