Alltag, Religion und Kirche in der DDR


Dass die DDR in Sachen Religion eine andere Linie verfolgte als die BRD, ist bekannt. Es gab keinen Religionsunterricht an staatlichen Schulen, kein kirchliches Arbeitsrecht, keine vom Staat eingetriebene Kirchensteuer. Aber wie präsent war Religion im DDR-Alltag und welche Bedeutung hatte der Wissenschaftliche Atheismus für die Menschen? Die MIZ widmet diesen Fragen einen Schwerpunkt.

Martin Bauer | hpd.de

ADN-ZB-Schneider-13.6.80 Berlin: Martin-Luther-Komitee Eine konstituierende Sitzung des Martin-Luther-Komitees der DDR fand im Amtssitz des Staatsrates statt. v.l.n.r.: Erich Honecker, Landesbischof Werner Leich, Gerald Götting, Bischof Werner Krusche. Bundesarchiv Bild 183-W0613-039, CC BY-SA 3.0 de

Horst Groschopp beschreibt in seinem Aufsatz die „anderen Deutschen“, die nach seinem Eindruck oft als „noch nicht richtig entwickelte westdeutsche“ Menschen angesehen werden. Dazu arbeitet er sieben alltagsrelevante Unterschiede zwischen „Ost“ und „West“ heraus. Einer davon ist die extrem niedrige Kirchenbindung.

Christenverfolgung?

Auf das Verhältnis von Staat und Kirche wirft Karsten Krampitz einen Blick. So angespannt, wie manchmal suggeriert, war das Verhältnis zwischen Staat und Kirche gar nicht – zumindest nicht immer und überall. Von „Christenverfolgung“, wie der einstige Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur im Freistaat Thüringen Christian Dietrich behauptete, konnte jedenfalls keine Rede sein (obgleich Christen in ihren Bildungs- und beruflichen Aufstiegschancen teils deutlich benachteiligt wurden). Dementsprechend war auch das Unterrichtsfach „Wissenschaftlicher Atheismus“ nicht so ausgestattet, wie es in einem „atheistischen“ Staat vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Denn seit Ende der 1960er Jahre trat die Beschäftigung mit den „gemeinsamen Wertvorstellungen von Kommunisten und Gläubigen“ neben die Entwicklung einer atheistischen Position in Abgrenzung zu religiösen Konzeptionen. Viola Schubert-Lehnhardt stellt diese Geschichte dar.

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