Die Soziologie und die Nazis


Die Soziologie hat sich noch später als andere Disziplinen mit ihrer Rolle im Nationalsozialismus befasst. Das hat „typisch österreichische“ Ursachen, liegt aber auch am Fach selbst, wie es in einem vor Kurzem erschienenen Buch heißt.

Lukas Wieselberg | science.ORF.at

Studenten auf der Rampe der Wiener Universität 1938 beim „Deutschen Gruß“. ÖNB

„Die meisten Vertreter und Vertreterinnen der Soziologie wurden im Nationalsozialismus ins Exil gedrängt, das Fach hat in der Zeit deshalb eine geringere Rolle gespielt als etwa die Geschichtswissenschaft“, resümiert Christoph Reinprecht, Buchherausgeber und Soziologe an der Uni Wien. Was nicht heißt, dass die NS-Politik nicht an bestimmten Bereichen der Forschung Interesse zeigte, allen voran an demografischen Studien.

Spann: NS-Vordenker und „Widerstandskämpfer“

In den 1930er Jahren entstandene Werke wie die „Arbeitslosen von Marienthal“ von Marie Jahoda, Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel sind heute Klassiker der empirischen Sozialwissenschaft. Benachbarte Disziplinen wie die Psychologie, Philosophie und Staatswissenschaft waren damals an Österreichs Universitäten aber viel besser verankert als die Soziologie.

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