Wie die Kirche mit unsinnigen Rechtsstreitigkeiten ihr Image ruiniert


Die Kirche hat Recht bekommen: Nach einem Gerichtsurteil bekommt sie jetzt von einem Mitglied eine Kirchensteuer-Nachzahlung von 1.900 Euro. Das ist allerdings wenig im Vergleich zur desaströsen Außenwirkung, die solche Fälle mit sich bringen, findet Felix Neumann.

Felix Neumann | katholisch.de

Bild: tilly

Rechtsstreitigkeiten um die Kirchensteuer kann die Kirche nur verlieren. Selbst wenn sie gewinnt. Gerade zeigt sich das an einem Berliner Urteil: Eine Frau sollte nachträglich Kirchensteuer entrichten. Sie selbst ging davon aus, dass sie mit dem Kirchenaustritt ihrer Eltern Ende der 1950er Jahre auch, trotz Taufe, kein Kirchenmitglied mehr sei. Dass die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche doch noch bestand, hat erst 2011 das Finanzamt nach Recherchen beim Taufpfarramt festgestellt.

Das Urteil ist keine Überraschung: Getauft und nicht ausgetreten bedeutet Kirchensteuerpflicht – auch hier. Die Berliner evangelische Landeskirche darf sich nun über eine Nachzahlung von etwa 1.900 Euro und viel schlechte Presse freuen.

Die Einnahmen stehen hier nur einem Imageschaden gegenüber: Das Bild der primär an Geld interessierten Kirche wird bestätigt. Schlimmer: Für 1.900 Euro spielt man den grundsätzlichen Gegnern der Kirchensteuer in Hände. Der Giordano-Bruno-Stiftung, die über ihr Institut für Weltanschauungsrecht die Klage unterstützte, geht es um mehr als dieses Geld: Nämlich um eine grundsätzliche Umgestaltung des in Deutschland geltenden Staatskirchenrechts.

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