Christenverfolgung: Unseres Jahrhunderts nicht würdig- Mythos und Realität


Christenverfolgung gibt es heute wieder an vielen Orten. Früher beantworteten ihre Opfer Gewalt nicht selten mit Gegengewalt – und konnten es nicht erwarten, als Märtyrer zu sterben.

Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Der Heilige Sebastian, dessen Martyrium hier um 1425/50 vom „Meister der Spielkarten“ festgehalten worden ist. © Artokoloro / Imago Images

Christenverfolgungen finden inzwischen fast überall auf der Welt statt. Nicht nur auf koptische Christen im fernen Ägypten, auch der Anschlag 2016 auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche zählt dazu. Wolfram Kinzig, Professor für Kirchengeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Bonner Universität hat jetzt eine kleine Einführung in die „Christenverfolgung in der Antike“ vorgelegt. Es gibt einen Unterschied zwischen den heutigen Christenverfolgungen und den damaligen. Damals wurden die Christen Verhören unterzogen, gefoltert und am Ende wilden Tieren zum Fraße vorgeworfen, verbrannt, gesteinigt und so weiter. Heute werden Bomben in eine anonyme Menge geworfen oder aber Christen werden vor laufender Kamera geköpft.

Von den antiken Christenverfolgungen berichten vor allem die Märtyrerakten. Im Internet sind diese alten christlichen „Zeugnisse“ leicht einzusehen. Tun Sie es, wenn Sie sich dafür interessieren. Und sei es nur eine halbe Stunde lang. Anders als die Museen füllenden gemalten Darstellungen christlicher Märtyrer aus späteren Jahrhunderten, die sehr oft zu Splattermovies oder erotischen Ikonen oder gar einer Verbindung von beidem geraten, gehören die antiken literarischen Schilderungen einem ganz anderen Genre an.

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