Resozialisierung: "Viele haben kein Verhältnis mehr zur modernen Welt"


33 Jahre saß Jens Söring in den USA im Gefängnis, den ihm zur Last gelegten Doppelmord bestreitet er bis heute. Nun kam er frei. Wie kümmert sich der deutsche Staat um Langzeithäftlinge? Nicht gut genug, sagt Kriminologe Frieder Dünkel.

Moritz Geier | Süddeutsche Zeitung

Mehr als drei Jahrzehnte hat der Deutsche Jens Söring in den USA im Gefängnis verbracht, verurteilt wegen eines Doppelmordes. Nun hat ihn der Strafvollzug wieder ausgespuckt und Söring ist zurück in Deutschland. Für die deutsche Justiz ist Söring ein unbeschriebenes Blatt, staatliche Unterstützung wie die Bewährungshilfe ist für ihn also nicht zuständig. Der Strafrechtler, Kriminologe und emeritierte Professor Frieder Dünkel, zwischen 1992 und 2015 Lehrstuhlinhaber für Kriminologie an der Universität Greifswald, erklärt, wie es möglich ist, nach so langer Zeit im Gefängnis zurück ins Leben zu finden.

SZ: Herr Dünkel, 33 Jahre lang saß Jens Söring in den USA im Gefängnis. Hätte ihm das in Deutschland auch passieren können?

Frieder Dünkel: Nein, aus deutscher Sicht ist sein Fall verfassungsrechtlich höchst problematisch, zumal er ja nicht rückfallgefährdet ist. Söring saß für ein in Anführungszeichen „normales“ Tötungsdelikt, das aus einer einmaligen Konfliktsituation entstand, er war damals 18 Jahre alt. In Deutschland hätte er maximal zehn Jahre nach Jugendstrafrecht bekommen und wäre nach sieben Jahren vermutlich entlassen worden.

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