Schämt euch, zeigt Reue, haltet den Mund: Wie journalistische Aktivisten versuchen, ihr Publikum zum Schweigen zu bringen


Der Kampf gegen Diskriminierung kann eigentlich nur gut gemeint sein. Häufig verstricken sich Aktivisten aber selbst in rassistische Argumentationsmuster. Das wird vor allem dann zum Problem, wenn Medienhäuser sich deren Ideologie zu eigen machen – und ihre Konsumenten nach Hautfarbe umerziehen wollen.

Judith Sevinç Basad | Neue Zürcher Zeitung

Dass man Menschen nach Hautfarbe einteilt, gehörte in den 1970er Jahren in Kapstadt zum Alltag. Haben wir diese Zeit nicht längst überwunden? Hulton / Getty

Jeder, der schon einmal in einer Runde sass, in der Freunde, Arbeitskollegen oder Bekannte hitzig über Politik diskutierten, wird diesen Moment kennen: Man stimmt der vorherrschenden Meinung im Grunde seines Herzens nicht zu, hält aber trotzdem den Mund, weil man keine Probleme bekommen will. Das Schweigen erscheint hier als der ideale Fluchtweg.

Vielleicht hat manch einer sogar schon einmal einer Behauptung zugestimmt, die er abgrundtief ablehnt – weil er Angst hatte, mit seiner Meinung alleine dazustehen.

Diese Neigung zum Mitlaufen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern entspricht der natürlichen Disposition menschlichen Verhaltens. Das bewies der Psychologe Solomon Asch in den fünfziger Jahren mit einem Experiment. Er setzte eine Reihe von Personen an einen Tisch und legte ihnen zwei Grafiken vor: Auf der einen waren drei unterschiedlich lange Linien zu sehen, auf der anderen eine Musterlinie.

weiterlesen