Der brave Papst, der unter Tunten lebt


Frédéric Martel glaubt Rom entschlüsselt zu haben und betreibt Vatikanologie als gefallsüchtiges Geschwätz. Der homosexuellen Gemeinschaft innerhalb der Kirche schadet er damit.

Matthias Rüb | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gleich zu Beginn, in einer Vorbemerkung des Autors, geht es los mit der Zahlenhuberei. Der Leser erfährt, dass Frédéric Martel mehr als vier Jahre lang für sein Buch recherchiert habe. Dabei habe er mit gut 1500 Leuten gesprochen, im Vatikan sowie in dreißig Ländern auf vier Kontinenten. Unterstützung habe er zudem von achtzig Rechercheuren, Korrespondenten, Beratern und Übersetzern erfahren.

Damit nicht genug, wird man auf den Seiten des langen Buches von Martel immer wieder mit der Information traktiert, wie oft er mit wem wo und wie lange gesprochen habe. Daraus geht in den meisten Fällen nichts hervor. Es offenbart aber die zentrale Autorenschwäche des zweiundfünfzig Jahre alten französischen Publizisten und Soziologen: Er befleißigt sich eines gefallsüchtigen Stils, und in den zentralen Thesen ist sein Buch gefallsüchtiges Geschwätz.

weiterlesen