Kirche wirbt an Bremer Grundschulen: Unmöglicher Missionierungsversuch


Die Domgemeinde verteilt seit vier Jahren Briefe an Drittklässler dreier Grundschulen. Warum beschwert sich erst jetzt jemand?

Eiken Bruhn | taz

Natürlich muss die Kirche jede Gelegenheit nutzen, um an neue potenzielle Mitglieder heranzukommen. Jedes Jahr sinkt die Zahl derjenigen, die Kirchensteuer zahlen, der Kirche laufen die Schäfchen in Scharen davon. Insofern ist es aus Sicht der Domgemeinde gut und richtig, gezielte Werbung an Grundschulen für einen Vorkonfirmationsunterricht zu machen. Das ist in Bremen nicht verboten, das Schulgesetz verbietet nur Werbung für Parteien, für Religionsgemeinschaften gibt es noch keine Regelung.

Und am Angebot der Kirche an sich ist auch nichts auszusetzen, es herrscht schließlich Religionsfreiheit. Die betroffenen Grundschulen hätten der Domgemeinde dennoch etwas husten müssen. Seit vier Jahren geht das, aufgeregt hat das bisher offenbar niemanden in der Gegend, in der überwiegend Mittel- und Gutverdiener*innen leben.

Man stelle sich vor, eine Moscheegemeinde hätte Grundschulkindern eine bunte Broschüre an die Hand gegeben, in der sie für einen Koran-Unterricht wirbt. Selbst in den Stadtteilen, in denen viele Muslim*innen leben, erscheint das als eher unwahrscheinliches Szenario. In jedem Fall wäre die Empörung zu Recht groß gewesen. Indoktrination! Gehirnwäsche!

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