Schutz von Klima und Umwelt – vorgebracht wird vieles, nur das Wort «Verzicht» fällt nicht


Wo die Veränderungen, die wir in der Umwelt bewirken, immer mehr für uns selbst zur Bedrohung werden, ist kluger Rat eigentlich nicht teuer: Wir müssen uns einschränken. Dabei kommt der Selbstregulierung durch eine ethisch orientierte Eigenverantwortung eine Schlüsselrolle zu.

Stephan Buhofer | Neue Zürcher Zeitung

Der Rhonegletscher wird mit Planen vor der Sonneneinstrahlung geschützt. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)

Eine über neunzig Jahre alte Dame erzählte mir letzthin nostalgisch, wie sie als Kind eine Stunde pro Weg in die Schule gelaufen sei. Zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter. Das war die Generation der nachhaltigen Lebensweise und niedrigen Treibhausgasemssionen. Es brauchte dazu eine gewisse körperliche und geistige Unzimperlichkeit, welche uns heute abgeht. Doch warum soll ein mühsamer Schulweg auch noch als etwas Positives empfunden werden? Wir haben es mit einer wertkonservativen Einstellung zu tun, wonach solche Anstrengung die Tüchtigkeit fördert und daher gut für den Menschen ist.

Übertragen auf die Fachsprache der Nachhaltigkeit heisst dieses Verhalten Suffizienz, Genügsamkeit. Es ist die grosse Schwäche der modernen Gesellschaft und der Grund, warum wir unsere Treibhausgasemissionen wenn überhaupt nur langsam zu senken vermögen. Wir leben in einer Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten und des Überflusses. Unsere Computer erlauben uns, viel mehr aufzuzeichnen, dank unseren Mobiltelefonen können wir viel mehr kommunizieren, dank unseren Verkehrsmitteln viel schneller reisen, als dies früher möglich war. All das wird als grosser Fortschritt empfunden. Wir verlieren damit aber eine Eigenschaft, welche einst für das Überleben auf der Erde zentral war: die Genügsamkeit.

weiterlesen