Undercover bei ganz Rechts: „Diese Leute wollen zu Helden erklärt werden“


Julia Ebner erforscht, wie Radikalisierung in rechtsextremen Internetforen funktioniert. Sie sieht Defizite bei den Sicherheitsbehörden.

Maria Fiedler | DER TAGESSPIEGEL

Die Extremismusforscherin Julia Ebner.Foto: imago images / future image

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben angekündigt, sich zur Bekämpfung des Rechtsextremismus „deutlich intensiver“ als bisher mit Internetplattformen zu beschäftigen. Kommt das zu spät?
Ja, im Onlinebereich ist viel zu spät reagiert worden. In den Subkulturen im Netz hat sich in den letzten Jahren die Lage zugespitzt. Die Attentäter, die in diesem Jahr in Christchurch, Halle und El Paso Anschläge verübt haben, haben sich im Netz radikalisiert. Doch die Sicherheitsbehörden haben sich auf den islamistischen Terror fokussiert und viel zu wenig Ressourcen darauf verwendet zu verstehen, wie sich die rechtsextremen Onlinenetzwerke bilden und wie sich Menschen dort radikalisieren. Der Mord an Walter Lübcke und der Anschlag in Halle haben zu einem Umdenken geführt. Es ist allerhöchste Zeit.

Wie unterscheidet sich das, was öffentlich auf Facebook oder Twitter passiert, von dem, was sich in kleineren Nischenplattformen im Netz abspielt?
Auf den großen Plattformen wie Facebook finden Manipulations- und Falschmeldungskampagnen statt – das zielt eher auf die Normalbürger ab. Gegen einzelne Personen werden Einschüchterungskampagnen gefahren. Zum Teil werden Facebook und Twitter auch zur Rekrutierung genutzt. Die rechtsextremistische Indoktrinierung dagegen läuft eher in den versteckten Nischen des Internets. Dort beschleunigt sich die Radikalisierung extrem. Gewaltaufrufe sind dort keine Seltenheit.

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