Bolsonaros Pakt mit den Freikirchen


In Brasilien werden Freikirchen zur neuen Macht. Mit ihren konservativen Wertvorstellungen wollen sie in die Politik eindringen – und suchen die Nähe des Präsidenten.

Tjerk Brühwiller | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der „Tempel Salomons“ der evangelikalen Universalkirche von Edir Macedo in São Paulo, ©GETTY

Ein Mann mit Anzug steht schweißgebadet im Schatten eines Mangobaums. In seiner Hand hält er die Bibel. Er spricht inbrünstig von Gott und Satan, von Glaube und Sünde. Fast schreiend predigt er den Leuten, die aus den Bussen steigen. Bekehren muss er sie nicht mehr. Wer sich am Wochenende an dieser Ecke des Stadtteils Brás in São Paulo aufhält, ist meistens auf dem Weg zum Gottesdienst. Hier ballen sich auf engem Raum einige der größten evangelikalen Pfingstkirchen des Landes.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ragt ein Bauwerk in die Höhe, das bereits von weitem zu erkennen ist: der Tempel Salomons – eine Nachbildung des historischen Jerusalemer Tempels. Das Bauwerk aus hellem Stein ist mit mehr als fünfzig Metern Höhe und einer Grundfläche von 10.000 Quadratmetern fast doppelt so groß wie die Kathedrale von São Paulo – und die ist immerhin die viertgrößte neugotische Kathedrale der Welt. Zehntausend Personen fasst der Tempel. Er ist eine Demonstration des Reichtums und der Macht.

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