Jahresrückblick auf die Niederungen der bayerischen Provinz


Die altbayerische Provinz war schon immer gut für einen reichhaltigen Fundus an unfreiwilliger Komik, der so manchen gewitzten Kabarettisten hervorgebracht und bisweilen sogar ernährt hat. Hier ein Schlaglicht auf diverse Glanzlichter und Leuchten des regionalen Zeitgeschehens des zu Ende gehenden Jahres.

Rainer Schreiber | TELEPOLIS

Bild Regensburg: Doktent / Grafik: TP / CC-BY-SA-4.0

Leuchte Nr. 1: Der Bischof

Der Regensburger Bischof Voderholzer setzte sich kürzlich mit dem Ansinnen auseinander, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Voderholzer ist natürlich strikt dagegen, denn er weiß: „Jesus hat bewusst nur Männer als Apostel berufen!“1

Mit diesem Trick, als einziger von Gott persönlich dazu legitimierter Verein den „himmlischen Vater“ und dessen „wesensgleiche“ („homousianische“) Inkarnationen Jesus & „Heiliger Geist“ belauschen und deren „heiligen“ Willen den Gläubigen aufdrängen zu können, beherrscht die katholische Kirche alle ihre Schafe, sprich gottesfürchtigen Anhänger*innen seit ewigen Zeiten – zumindest seit der konkurrierende Bischof Arius exkommuniziert, die arianische „Häresie“ ausgerottet und die zahlreichen abweichenden Glaubensvarianten der christlichen Religion unter Justinian im 6. Jahrhundert endgültig zur Ketzerei erklärt und blutig niedergekämpft worden waren.2

Erst etwa tausend Jahre später wurde die Macht des Katholizismus durch eine Neuinterpretation des Glaubens seitens Luthers wieder wirkungsmächtig angezweifelt. Die inzwischen erneut erreichte Vielzahl von geistlichen Telefonzentralen mit direktem Draht zu Gott könnte modernen Menschen bezüglich des Gehalts (nicht nur der) christlichen Religion zu denken geben – hat Gott wirklich den Menschen geschaffen oder war es vielleicht nicht doch umgekehrt?

Dies ficht aber echte Gläubige nicht an. Die Katholiken am allerwenigsten, die sogar – von einer kleinen Schar „Altkatholiken“ mal abgesehen – ihren Papst für unfehlbar halten, da er der von Gott persönlich beauftragte Leiter der katholischen Telefonzentrale ist, der seine Ukas direkt vom Allerhöchsten erhält. Solange den Bischöfen vom Papst nicht widersprochen wird und sie sich im überschaubaren Rahmen des immer gleichen katholischen Dogmas bewegen, gilt dies auch für deren Eingebungen.

Damit aber nicht genug, Voderholzer legt noch ein dickes Scheit drauf: „In der Antike sei das weibliche Priestertum durchaus bekannt gewesen. ‚Ihr Dienst war oft verbunden mit der Tempelprostitution als Darstellung der Fruchtbarkeit der Erde.'“ Der Verweis auf die antike „Tempelprostitution“ ausgerechnet anlässlich der modernen Forderung eines auch Frauen zugänglichen Priestertums ist schon ein echter Hammer: Alles Schlampen außer der Heiligen Jungfrau Maria?

Man hat es immer gewusst: Das Frauenbild des mächtigen Altmännerbunds des Amtskatholizismus ist an Schlichtheit und Unverschämtheit nicht zu überbieten. Dazu passt auch, dass sich der Bischof auch noch von der „Gender-Ideologie“ distanziert, die die „in der Schöpfung gegebene Bezogenheit von Mann und Frau aufeinander“ in Frage stelle.

Diese Bezogenheit kennt man ja schon: Mann geht in Tempel, Frau wartet dort als Tempelprostituierte auf ihn – wenn nicht der Katholizismus mit seiner exklusiven, zölibatären Männerriege für moralisch einwandfreie Verhältnisse garantiert!

Leuchte Nr. 2: „Die Fürstin“

Die von den regionalen Medien stets respektvoll als „die Fürstin“ titulierte Gloria von Thurn-und-Taxis, bisweilen zur Gallionsfigur der europäischen nationalkatholischen Rechten erklärt3, war vor einigen Monaten Gast der im italienischen Verona beim „World Congress of Families“ (WCF) zusammengekommenen „rechten Akteure und Antifeministen“.4

Als Starredner trat der rechtspopulistische italienische Politiker Salvini auf, Vertreter der französischen und ungarischen Rechten (des „Rassemblement National“, vormals als „Front National“ unterwegs, bzw. des rechtspopulistischen ungarischen Bürgerbunds „Fidesz“) sowie des AfD-Blatts „Deutschland-Kurier“ waren ebenfalls zugegen. Gloria, bisher nicht gerade als Vertreterin überlegter, differenzierter Statements hervorgetreten, hatte ja schon vor Jahren den ungarischen Ministerpräsidenten und Nationalkatholiken Victor Orban als Gast ihrer Sommerfestspiele in Regensburg empfangen und dabei lautstark hinausposaunt, dass er eine Politik ganz nach ihrem Geschmack veranstalte.

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