Nicht nur Venedig wird untergehen


Das Acqua alta in Venedig im November 2019 war der Anfang. Von Überflutungen werden im nächsten Jahrzehnt noch weitere Küsten und Küstenstädte betroffen sein

Richard Wall | DERSTANDARD

Das Wasser steht uns bis zu den Knien und eigentlich schon bis zum Hals, aber selbst das ist noch ein Selfie wert. Venedig 2019. Foto: EPA / Andrea Merola

Venedig, die einst so stolze Serenissima, „wo die Tauben gehen und die Löwen fliegen“ (Jean Cocteau), war immer schon gefährdet. War nicht schon die Gründung dieser Stadt auf schwankendem Boden eine Provokation der Naturgesetze? Ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang von vorneherein?

Als die bedrohten Festland-Veneter begonnen haben, auf ein paar Dutzend Inseln eine Stadt zu errichten, war vieles in Schwebe. Mit einem Wissen über die Beschaffenheit der Lagune, wie sie nur Menschen haben können, die am Wasser und zur See fahrend mit den Verhältnissen leben, gepaart mit handwerklichen Kenntnissen und Erfahrungen im Umgang mit den Materialien Holz und Stein, entstand dennoch im Laufe der Jahrhunderte eine sagenhafte Pracht, die in den Kirchen, Palästen und Plätzen bis heute zu erleben ist.

Doch dieses dem Handel, Eroberungskriegen und einer geschickten Diplomatie geschuldete Schatzkästchen ist dem Untergang geweiht. Was missgünstige und eifersüchtige Eroberer nicht geschafft haben, die Touristenmassen nicht ganz hinkriegen, wird die Erd-, Luft- und Meereserwärmung erledigen.

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