Ostsee: Perspektiven der Kontamination

Bild von Norbert Waldhausen auf Pixabay

Die Ostsee könne bald durch den Kriegsmüll aus dem Zweiten Weltkrieg auf über 100 Jahre hinaus schwer verseucht sein. Zu diesem Ergebnis kam die Oberste Kontrollkammer (NIK) in Polen Mitte Dezember.

Jens Mattern | TELEPOLIS

Stettin, 22. Mai 1940. Im Hintergrund zu sehen das Lazarettschiff Stuttgart. Bild: Andreas Jonke (Fotograf vermutlich „Herr Zimmermann“). CC BY-SA 4.0

Sollte nur ein Sechstel der chemischen Stoffe aus den Behältern der mitsamt Waffen versenkten Schiffe austreten, so würde dies jegliches Meeresleben in großen Teilen der Ostsee auf über 100 Jahre hinaus unmöglich machen. Als besonders problematisch für das polnische Hoheitsgebiet der Ostsee gelten der Tanker Franken sowie das Lazarettschiff Stuttgart.

Die 180 Meter lange Franken wurde am 8. April 1945 von sowjetischen Bombern dort versenkt. Vermutlich wurde ein großer Teil des Treibstoffs bei dem Angriff verbrannt. Das Schiff hat eine Ladekapazität von 10.000 Tonnen Treibstoff. Amerikanische Bomber trafen die Stuttgart 1943. Beide Schiffe liegen in der Danziger Bucht.

„Die Stuttgart ist ein Fall, der unsere Theorie bestätigt. Lange hatten wir darum gebeten, hier zu handeln. Innerhalb von 15 Jahren sind 300 Tonnen Treibstoff entwichen und man kann von einer lokalen ökologischen Katastrophe reden“, so die Einschätzung von Olga Sarna von der Stiftung „Mare“ auf Anfrage.

Die Organisation, die sich speziell um die ökologischen Belange der Ostsee kümmert, ist seit längerem um Öffentlichkeitsarbeit bemüht und befindet sich in der Auseinandersetzung mit polnischen Behörden, von denen ein Teil alles als nicht so schlimm ansieht.

So auch beim Tanker Franken, über dessen verbliebenen Treibstoff gerätselt wird. Es gibt Kalkulationen, wonach noch über 4.000 Tonnen Treibstoff unterschiedlicher Art in dem Schiffswrack in 70 Metern Tiefe verblieben sind.

Meeresamt in Gdingen will von einer Katastrophe nichts wissen

Das Meeresamt in Gdingen (Gdynia), das seit Jahren ein Monitoring des Wracks betreibt, will von Katastrophenalarm jedoch nichts wissen und geht von 700 bis 1.500 Tonnen Treibstoff aus, die nach seiner Auffassung keine akute Gefährdung darstellen sollen. Allerdings sperrte das Amt das Wrack für den Tauchgang.

„Das Meeresamt will Beweise. Die Kosten für solche Proben sind aber fast so teuer wie das Abpumpen“, so Olga Sarna. Die Kosten fürs Abpumpen werden von einem Experten des Danziger Meeresinstituts auf 20 Millionen Euro geschätzt.

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