Der dritte Pol schmilzt


Wenig beachtet von der Weltöffentlichkeit verliert die Hindukusch-Himalaya-Region schleichend ihre riesigen Gletscher. Eine Katastrophe für die ganze Welt.

Martin Dahms | Frankfurter Rundschau

Nur zehn Gletscher in der Hindukusch-Himalaya-Region werden von Wissenschaftlern ständig beobachtet. Viel zu wenige, sagen Kritiker. © LuisxMartinez

Der Fokus lag bisher auf anderen Dingen“, sagt Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet in Deutschland. Müller war auf dem Klimagipfel in Madrid, um die internationale Aufmerksamkeit auf eine Klimakrise zu lenken, die unter all den Klimakrisen der Welt eher wenig beachtet wird: Die im Hochland von Tibet. Das gehört zur Hindukusch-Himalaya-Region, einer der schnee- und eisreichsten Gegenden der Welt, nur übertroffen von der Arktis und Antarktis. Manche nennen sie deshalb den „dritten Pol“ der Erde. Und der schmilzt gerade weg wie die anderen beiden.

„Dies ist die Klimakrise, von der Sie noch nicht gehört haben“, sagte Philippus Wester, als er im Februar den von ihm koordinierten Bericht über den Klimawandel und dessen Folgen in der Hindukusch-Himalaya-Region vorstellte. Der Holländer lebt im Kathmandu-Tal in Nepal, wo er als Chefwissenschaftler am International Centre for Integrated Mountain Development (Icimod) arbeitet, einer 1983 gegründeten gemeinschaftlichen Einrichtung der acht Hindukusch-Himalaya-Staaten Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal, China, Bhutan, Bangladesch und Myanmar. Auch Wester war in Madrid und sagte dort: „Wir verlieren gerade unsere Gletscher und den Permafrost, und das wird sehr, sehr negative Folgen haben.“ Er sagte aber auch: „Wir wissen, was wir zu tun haben.“

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