Flüchtlingskinder aus Griechenland holen? Der völlig falsche Vorschlag


Das Thema Migration ist zu komplex für symbolträchtige Vorschläge zur Rettung Einzelner. Wenn das doch endlich mal verstanden würde! Ein Zwischenruf.

Barbara John | DER TAGESSPIEGEL

Wenigstens die unbegleiteten Kinder holen, die in den Flüchtlingslagern derzeit unter unhaltbaren Zuständen leben?Foto: imago images/ITAR-TASS

Und wieder eine Debatte über Flüchtlingspolitik, die typisch für Deutschland zu sein scheint. Es geht um die politische Forderung, unbegleitete Kinder und Jugendliche aus den menschenunwürdigen Flüchtlingscamps auf den griechischen Inseln vor der türkischen Küste nach Deutschland zu holen. Das ist auf der einen Seite dramatisierender, kompromissloser Idealismus: Wenn wir diese gefährdete Gruppe nicht abholen, besteht Lebensgefahr. Auf der anderen Seite nüchterne Folgenabschätzung: Hilfe ja, aber vor Ort und kooperativ.

Ist das ein Kampf von spontaner Menschlichkeit gegen autoritäre Gleichgültigkeit? Es ist eher die Absicht von einzelnen Parteien und Gruppen, sich zu profilieren oder bei bestimmten Wählergruppen einen politischen Vorteil zu verschaffen. Was unterschwellig passiert, ist aber gravierender. Es gibt, abgesehen vom Klimaschutz, kaum ein komplexeres Thema als Migration unter den Bedingungen von weltweit hoher Mobilität und Internetnutzung.

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