Der Speiseplan von morgen


Neue Technologien könnten das Nahrungsmittelangebot der Zukunft revolutionieren. Ob das in jedem Fall erstrebenswert ist, ist eine andere Frage.

Bernd Schröder | TELEPOLIS

Texturiertes pflanzliches Eiweiß: eine preiswerte Proteinquelle, bald mit noch mehr Geschmack. Bild: Wikivisual / CC-BY-NC-SA 3.0

Es war um das Jahr 1778, als der Agronom und Militärapotheker Antoine-Augustin Parmentier für die Pariser Crème de la Crème eine Reihe von thematischen Festmahlen veranstaltete, auf denen sich alles um die Kartoffel drehte. Die war erst 1772 von der Pariser Medizinischen Fakultät für essbar deklariert worden, nachdem ihr Anbau viele Jahre lang verboten war, denn die Kartoffel stand im Verdacht, Lepra zu verursachen. Zuvor hatte die Akademie zu Besançon einen Preis zur Identifizierung von Nutzpflanzen ausgeschrieben, die im Falle einer Hungersnot zu Nahrungszwecken genutzt werden konnten.

Parmentier empfahl die Kartoffel, die er chemisch analysiert hatte und aus der er zudem ein Mehl gewann, mit dem sich Brot backen ließ. Doch auch trotz der festgestellten Unbedenklichkeit ihres Verzehrs hielt sich die Begeisterung der Franzosen in Grenzen – für sie waren die Knollen als Schweinefutter gerade gut genug. Parmentier entschloss sich zu ungewöhnlichen Aktionen, um die Kartoffel mit Macht auf den Speiseplan seiner Landsleute zu hieven. Er selber war schon einige Zeit zuvor auf den Geschmack gekommen, in Preußen, wo er als Kriegsgefangener im Siebenjährigen Krieg Zeuge der Erfolge der Kartoffelkampagnen Friedrich II. war. Schließlich gelang es ihm, selbst Ludwig XVI. für das Nachtschattengewächs zu interessieren, der sein Wohlwollen anlässlich eines Festes mit einem Bouquet Kartoffelblüten im Knopfloch bekundete.

Im Oktober 2016 fand eine moderne Neuauflage von Parmentiers Festessen statt. Wieder einmal sollte die Kartoffel unters Volk gebracht werden, diesmal jedoch als Hightech-Knolle. Im Benoit New York, einem Nobelrestaurant des monegassischen Chefs Alan Ducasse, wurden Speisen aufgetafelt, die aus Sojabohnen und Kartoffeln der ersten Ernte des Biotech-Unternehmens Cellectis zubereitet waren: Produkte allerneuester Technologie. Das Dinner war dem Veranstalter zufolge das weltweit erste, bei dem geneditierte Nahrungsmittel verzehrt wurden. André Choulika, CEO von Cellectis, versicherte seinen Gästen, dass es nicht dabei bleiben würde: Im 21. Jahrhundert würden noch Millionen von Menschen in den Genuss kommen, genau das gleiche zu essen.

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