Die Hauptursache der Klimakatastrophe ist überflüssige Arbeit


Der ewige Kampf des Profits gegen die Umwelt: Unsere Ökonomie definiert grundsätzlich alles als Katastrophe, was Klima rettet. Die Wirtschaftskolumne.

Günther Moewes | Frankfurter Rundschau

Genau diese Art von Arbeitsbeschaffung runiert Globus und Klima stärker, als noch so viele Windräder, CO2-Bepreisungen und E-Autos kompensieren können. © Christian Charisius/dpa

„Arbeit ruiniert die Welt“ war der Untertitel eines grandiosen Buches, das Christian Schütze, einer der ersten große Umweltredakteure Deutschlands, 1989 schrieb. Alle Evolution sei Entmischung mit Hilfe von Sonnenenergie: Aus dem glühenden Urgemisch unseres Urplaneten habe die Evolution so im Laufe von Jahrmilliarden die Bodenschätze, Potenziale, Vielfalt und Wunder unserer Erde aufgebaut. Alle Arbeit aber, die Material nicht mit Sonnenenergie bewege, betreibe Vermischung, drehe die Evolution zurück. Sie verrühre die Vielfalt dieser Welt wieder zu einem großen Einheitsmischbrei aus Müll, Allerweltsarten, Abfalllandschaften und globaler Einheitszivilisation.

„Entropie“ nannte der Physiker Rudolf Clausius 1865 dieses Umkehren der Evolution. Ökonomen und Politiker dagegen nennen es „Arbeitsbeschaffung“, „Wertschöpfung“ und „Globalisierung“. Sie glauben zum Beispiel, Wohlstand und Wertschöpfung entstünden, wenn möglichst viele Japaner deutsche Autos fahren und möglichst viele Deutsche japanische. Denn nur so entstünde neue Arbeit durch neue Transporte, Umschlaghäfen und Energieverbräuche. Auch Plastikverpackungen, Ferntourismus, Rüstung und Kriege mit vorherigen Wiederaufbaukonferenzen seien leider unvermeidlich, weil sie Arbeit schaffen.

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