Die Türkei erhöht den Einsatz an allen Fronten


Unter Präsident Erdogan verfolgt die Türkei ihre aussenpolitischen Interessen auch gegen den Widerstand ihrer traditionellen Verbündeten. Selten zeigte sich das so deutlich wie jetzt.

Volker Pabst | Neue Zürcher Zeitung

Vor der Küste Zyperns suchen verschiedene Nationen nach Gas. Athanasios Gioumpasis / Getty

Zypern, Libyen, Syrien, USA: Wohin man schaut, ist die türkische Aussenpolitik auf Konfrontationskurs. Vor der Küste Zyperns dringen türkische Erkundungs- und Bohrschiffe seit Monaten in zypriotisches Hohheitsgebiet vor, um nach Gas zu suchen. Die Marine bietet Geleitschutz und behindert gleichzeitig westliche Energieunternehmen, die mit Erlaubnis der zypriotischen Regierung in der Region tätig sind. Vor zwei Wochen wurde ein israelisches Schiff zur Umkehr gezwungen. Am Sonntag überflogen israelische Militärflugzeuge ein türkisches Bohrschiff.

Spannungen mit EU und USA

Mit der international anerkannten, aber militärisch stark bedrängten Regierung in Libyen hat die Türkei Ende November ein Abkommen geschlossen, dass die ausschliesslichen Wirtschaftszonen der beiden Staaten festlegt – und dabei die Interessen Griechenlands weitgehend ignoriert. Athen verwies den libyschen Botschafter in der Folge des Landes, die EU protestierte scharf. Doch Ankara verfolgt offenkundig Pläne, die militärische Unterstützung an Tripolis zu vertiefen und die Möglichkeit für die Entsendung türkischer Truppen ins Bürgerkriegsland zu schaffen.

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