„Antisemitismus ist eine Krankheit“


Nach dem Attentat auf eine Chanukkah-Feier in den USA wird wieder über die psychischen Probleme des Täters gesprochen. Doch dessen wahre Krankheit steht in keinem Lehrbuch der Psychiatrie, sagt unser Gastautor Ze’ev Avrahami.

Ze’ev Avrahami | WELT

Nach jedem antisemitischen Angriff, wo auch immer er sich ereignet, hört man die Polizei oder die Familie des Attentäters schon in den allerersten Stellungnahmen behaupten, der Attentäter sei geisteskrank, er habe psychische Probleme und eine lange Geschichte seelischer Störungen, und gerne wird dann noch hinzugefügt, die zuständigen Stellen hätten sich nicht genügend um ihn gekümmert.

Nehmen wir zum Beispiel den Angriff in Monsey (New York). Die Nachricht von dem Vorfall war noch keine 24 Stunden alt, da sprach die Familie des Attentäters der Presse gegenüber schon von dessen seelischer Instabilität, einschließlich Schizophrenie. Aber führen wir uns einmal die Fakten vor Augen: Ein Mann steigt mit einer Waffe in seinen Wagen, fährt 30 Kilometer bis in die nächste Stadt, parkt den Wagen, sucht ein Haus, in dem Menschen Chanukkah feiern, holt seine Machete heraus und greift die Menschen in dem Haus an.

Klingt das für Sie nach der anfallartigen Tat eines Wahnsinnigen? Für mich klingt es nach einem ziemlich exakt geplanten Anschlag. Der Mann wusste genau, was er tat. Genauso wie der Mann in Halle. Glücklicherweise waren beide im Planen besser als in der Ausführung.

weiterlesen