Wir leben im Zeitalter der Clown-Politiker


Ausfällig, einfältig, unernst und brandgefährlich: Um clownshafte Politiker loszuwerden, müssen wir verstehen, wofür der Clown steht. Er ist vielschichtiger als gedacht. Ein Essay.

Torsten Körner | DER TAGESSPIEGEL

Illistration: Raban Ruddigkeit, ruddigkeit.de

Der Narr nimmt sich die Freiheit, gegen alles Ein- und Widerspruch zu erheben, sein Lachen ist Rebellion. Selbst dort, wo Gegenwehr unmöglich scheint, weil die Gegner und ihre Gewalt übermächtig sind, tritt der Clown gegen das Schienbein des Goliath. Über Jahrtausende und alle Kulturen hinweg ist er so eine Figur des großen Welttheaters geworden: als Unfug treibender Götterbote Hermes oder Kulturheros Prometheus, als Narr des Mittelalters, Till Eulenspiegel, Shakespeares Narren, Marx Brothers oder Charlie Chaplins Tramp – der Clown ist eine anthropologische Konstante, ohne ihn geht es nicht.

Derzeit ist er besonders präsent. Wir erleben ein Zeitalter globaler Clownerie. Großbritannien windet sich im Brexit-Fieber, die Downing Street wird bereits als Clowning Street verspottet und das Weiße Haus ist zum Schauplatz einer absurden Reality-Show geworden. Boris Johnson und Donald Trump sind die bekanntesten Clown-Darsteller, die durch Grimassen, Frisuren, Sprache, Gestik, Kleidung und unberechenbare Handlungen bei vielen Beobachtern unweigerlich den Begriff des Clowns provozieren.

weiterlesen