Khalifa Haftar ist ein schillernder Warlord mit mächtigen Freunden


Seit bald einem Monat steht der libysche General Khalifa Haftar mit seiner Nationalarmee vor Tripolis. Viele sehen ihn bereits als Verlierer. Doch Achtung: Dieser Mann hat Geduld.

Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Khalifa Haftar im Mai 2018 in Paris. (Bild: Philippe Wojazer / Reuters) 

Am 4. April hat der selbsternannte Feldmarschall Khalifa Haftar seine Offensive gegen Tripolis ausgerufen, drei Wochen später steht er mit leeren Händen da. Seine Luftwaffe hat immer wieder Stellungen der verteidigenden Milizen angegriffen, ohne dass sich die Front nennenswert verschoben hätte. Zeugen, welche die Nachrichtenagentur Reuters zitiert, sagen, Haftars Einheiten seien an diversen Frontabschnitten zurückgedrängt worden.

Man darf vermuten, dass der Marschall ein etwas anderes Szenario im Kopf hatte, als er seiner Nationalarmee den Befehl zum Angriff gab. Selbstverständlich wäre ihm ein schneller Sieg, bewirkt durch einen raschen Zusammenbruch der gegnerischen Stellungen und den Lagerwechsel einiger wichtiger Milizen, lieber gewesen. Doch schnell wird Haftar dennoch nicht aufgeben.

Dass er Geduld hat, bewies er in Benghasi, als er die Jihadisten des Islamischen Staats und der Terrorgruppe Ansar al-Sharia, die in der Stadt eine Schreckensherrschaft errichtet hatten, drei volle Jahre belagerte, ehe er zum entscheidenden Schlag ausholte.

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