Streit um das Jüdische Museum Berlin: Ein Fall von Rufmord


Hat das Jüdische Museum Berlin Anhänger der antisemitischen BDS-Bewegung hofiert? Der Publizist Micha Brumlik plädiert für eine Mäßigung der Debatte.

Micha Brumlik | DER TAGESSPIEGEL

Das Jüdische Museum BerlinFoto: imago images / United Archives

Im Streit um das Jüdische Museum Berlin ist im Juni 2019 Peter Schäfer vom Amt des Direktors zurückgetreten. Ihm folgt im April Hetty Berg aus Amsterdam. Die Diskussion um die Institution geht indessen weiter: Der Politikwissenschaftler Max Czollek hat im Tagesspiegel vom 27. 12. 2019 für das Jüdische Museum als ein offenes Haus plädiert. Darauf antworteten ihm Clemens Heni, Direktor des International Center for the Study of Antisemitism Berlin, und der Islamwissenschaftler Michael Kreutz, am 3. Januar 2020. Hier folgt ein Widerspruch von Micha Brumlik, Mitherausgeber von „Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart“ und langjähriger Vorsitzender des Beirats des Jüdischen Studienwerks ELES.

Der Beitrag von Clemens Heni und Michael Kreutz, der behauptet, dass das Jüdische Museum Berlin Anhänger der BDS-Bewegung hofiere, wimmelt von Unrichtigkeiten, diffamatorischen Unterstellungen und schlicht falschen Behauptungen.
So beschuldigen die Autoren die ehemalige Programmdirektorin Cilly Kugelmann und auch die ehemalige Leiterin der Akademie am Jüdischen Museum, Yasemin Shooman, die „Delegitimation des jüdischen und demokratischen Staates gesellschaftsfähig“ gemacht zu haben“. Als Beweis soll die Einladung des „antiisraelischen Aktivisten Brian Klug“ dienen. Klug lehrt Philosophie in Oxford, war Mitgründer des Jewish Forum for Justice and Human Rights sowie 2006 Mitglied der British All-Party Parliamentary Inquiry to Antisemitism.

Falsche Behauptungen

Klug widersprach der Meinung, dass Kritik an israelischer Politik eine neue Form des Antisemitismus sei. Es war der Antisemitismusexperte der Kritischen Theorie, Detlef Claussen, der Klugs am 8. November 2013 im Jüdischen Museum gehaltenen Vortrag so kommentierte: „Weil der Antisemitismus öffentlich global delegitimiert ist, aber dennoch weit verbreitet, möchte kaum jemand in der Öffentlichkeit als Antisemit erscheinen. Aber es gibt viele, die den Antisemitismusvorwurf benutzen, um jemanden um seinen moralischen Kredit zu bringen. Als besonderes Schlachtfeld instrumentalisierter Antisemitismusvorwürfe können die Debatten um den Nah-Ost-Konflikt gelten. Dieser Konflikt ist im Kern ein politischer, und man kann ihn nur politisch begreifen und politisch lösen.“

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