Libyen: Haftar schafft Fakten, die der Türkei nicht gefallen


Haftars Offensive auf Sirte erhöht die Spannungen, zwei Tage vor dem anstehenden Besuch Putins in der Türkei. Die „Mission“ in Libyen wird nicht einfach für die Türkei. Nun bahnt sich die erste Machtprobe an. Wie wird die Türkei auf die militärische Offensive des Generals (manchmal auch „Feldmarschall“) Haftar reagieren?

Thomas Pany | TELEPOLIS

Propagandafoto der Gegner der Türkei: die LNA von General Haftar. Bild: Wolfram Lacher, Twitter

Manche Beobachter hatten die Erwartungen hochgeschraubt und von einem Game-Changer gesprochen. Würde die Türkei offiziell in die kriegerischen Auseinandersetzungen in Libyen einsteigen, so werde sich das Blatt bald eindeutig zugunsten der von ihr unterstützten GNA-Regierung wenden, wurde vielfach spekuliert (anderseits mobilisiert der Militäreinsatz einer auswärtigen Regionalmacht immer auch den Zusammenhalt von Gruppierungen, die zuvor zerstritten waren).

Kaum hatte Präsident Erdogan bekannt gegeben, dass jetzt ganz offiziell türkische Militärhilfe ins nordafrikanische Land geschickt wird – allerdings keine Kampftruppen, sondern Ausbilder und einen General (Elitetruppen, schweres und wichtiges Kriegsgerät sollen schon da sein) – da machte sein Gegenüber, General Haftar, Schlagzeilen mit einem Überraschungsangriff auf den Küstenort Sirte, den seine Truppen am gestrigen Montag quasi im Handstreich eroberten.

Schnell Fakten gegen die Türkei schaffen

Damit verschafft sich der Widersacher der Einheitsregierung (GNA) einen strategischen Vorteil, der als bedeutend eingestuft wird. Sirte, früher die Stadt Gaddafis, gilt nun als Basis für Islamisten. Einer größeren Öffentlichkeit wurde Sirte vor ein paar Jahren dadurch bekannt, dass Bilder von IS-Milizen in Libyen von dort kamen. Das war kein Zufall, das Milieu war für den IS günstig.

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